09.01.2018 - 21:50 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar Die Glypho-Saga oder die Macht gefühlter Fakten

Man muss kein eingefleischter Herbizid-Liebhaber sein, um die Glypho-Saga als tragikomischen Beleg für die Macht gefühlter Fakten zu verstehen. Seit Monaten wird auf widersprüchliche Analyse-Ergebnisse der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC) und des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) verwiesen - dabei widersprechen sich diese gar nicht.

Nicht gerade beliebt bei Umweltschützern: Der US-Konzern und Glyphosat-Hersteller Monsanto. Bild: Patrick Pleul/dpa
von Jürgen Herda Kontakt Profil
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Dass die IARC, eine Unteragentur der WHO, den Wirkstoff als "wahrscheinlich krebserregend" einstuft, liegt an deren Methode: Sie prüft nicht das konkrete Risiko, sondern testet, ob ein Stoff grundsätzlich gesundheitsschädlich sein könnte. Demnach fallen Wurst und Mate-Tee in dieselbe Kategorie. Dem gegenüber steht der logische Schluss des BfR, die Chemikalie bei fachgerechter Anwendung als unbedenklich einstuft. Dagegen wenden Umweltschützer nicht grundlos ein, dass Glyphosat-Hersteller Monsanto gute Lobby-Arbeit leistet.

Warum stand dann aber, wie ein einflussreicher EU-Agrarpolitiker erzählt, während des ganzen Entscheidungsprozesses kein Lobbyist des Saatgutherstellers auf der Matte? Fährt der US-Konzern sein Produkt selbst an die Wand, weil das Patent ablief und der Verkauf weniger lohnt? Sollte demnächst ein Wundermittel à la "Unkrautvernichtung ohne Nebenwirkungen" auf den Markt kommen, sollte man hellhörig werden.

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