27.04.2017 - 21:36 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar: Ein falscher Flüchtling deckt auf

Ein Deutscher gibt sich als Verkäufer aus Damaskus aus und lässt sich als Flüchtling registrieren. Keiner wird misstrauisch. Der 28-Jährige, der kein Wort Arabisch spricht, kassiert unter falschem Namen Geld vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Zudem genießt er besonderen Schutzstatus.

von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil
Kommentar

An diesem Punkt der filmreifen Geschichte erwartet man eigentlich eine medienwirksame Selbst-Demaskierung eines investigativen Journalisten oder Aktivisten, der Missstände in Asylbewerber-Verfahren oder -Unterkünften aufdecken will. Der mit erhobenem Zeigefinger fehlende oder mangelhafte Prüfverfahren anmahnt.

Doch der Mann, der in der Aufnahmestelle Zirndorf ein syrischer Obsthändler war, ist kein Günter Wallraff. Kein Enthüllungsreporter, der wie dieser in den 80ern in die Rolle eines türkischen Gastarbeiters schlüpfte, um deren traurige Lebensumstände aufzuzeigen. Nein, das falsche Früchtchen ist ein Oberleutnant der Bundeswehr, der offenbar als Flüchtling einen Anschlag verüben wollte, um Fremdenhass gegen Migranten zu schüren.

Aufgedeckt und angestoßen hat er trotzdem ungewollt einiges: Neben einem fragwürdigen Geisteszustand auch Schwächen in Asyl-Verfahren und eine erneute - überfällige - Debatte über radikales Gedankengut in Teilen der Bundeswehr.

Den mutmaßlichen Anschlag konnte er glücklicherweise nicht mehr in die Tat umsetzen. Dennoch schlägt seine verachtenswerte Aktion ein wie eine Bombe. Die Ironie dabei ist: Statt zu schaden, hat der Wallraff wider Willen wohl das genaue Gegenteil erreicht.

tobias.schwarzmeier[at]oberpfalzmedien[dot]de

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