Kommentar zu Abrüstungsforderungen
Schulz macht das Richtige aus den falschen Gründen

Es ist ein seltsamer Wahlkampf: Angela Merkel wirbt zwischen Cosplayern und Youtubern um die Jugend, geht aber sonst Konfrontationen aus dem Weg. FDP-Chef Christian Lindner gibt eine skurrile "Ein-Mann-Show". Und die SPD sucht so fieberhaft wie vergeblich nach Streitthemen, mit denen sie sich von GroKo-Partner CDU/CSU absetzen kann.

Mit seinem neuen Vorstoß hat SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz nun aber einen Nerv getroffen. Nicht wegen der 20 US-Atomwaffen in der Eifel. Sondern weil er damit eine - nach der geplanten massiven Steigerung der Verteidigungsausgaben überfällige - Diskussion anstößt. Eigentlich schienen Zeiten, in denen Staatschefs ihre Egos mit immer mächtigeren Raketen stützten, größtenteils überwunden. Nun bringt Donald Trumps pervertierte Forderung nach hohen Militärbudgets der Natostaaten die gebremste Spirale des Wettrüstens wieder auf Touren.

Ob sich der Atomwaffen-Abzug als Wahlkampfthema eignet, bleibt dahingestellt. Auch ob Schulz so den Kampfgeist seiner Genossen wecken kann. Linke und Grüne beklagen völlig zu Recht, dass sich in der Frage seit Jahren nichts bewegt hat. Dabei nimmt sie an Bedeutung zu - angesichts jüngerer Generationen, die die Horror-Bilder aus Hiroshima kaum kennen, nicht die atomare Bedrohung im Kalten Krieg erlebt haben und sich Ende April 1986 nicht fürchten mussten, als eine radioaktiv verstrahlte Wolke aus Tschernobyl herüberwehte.

Schulz' Vorstoß hat sich dann gelohnt, wenn das Thema so vertieft erörtert wird, dass auch Merkels Cosplayern in der Folge bewusst wird, dass der Ausstieg mit Nachdruck verfolgt werden muss - aus der militärischen, aber auch der energetischen Nutzung der Atomkraft.

tobias.schwarzmeier@oberpfalzmedien.de
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