07.01.2018 - 22:16 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar zu den Groko-Sondierungen Lieber langweilig als jeder gegen jeden

Der Horror vor der Groko wird aus verschiedenen Quellen gespeist - zunächst von der politischen Konkurrenz: Die vornehmste Aufgabe der Opposition ist ihre Rolle als unbequemer Stachel im Fleisch der Regierenden - auch wenn sowohl AfD als auch FDP Union und SPD so müde hetzen wollen, bis sie, Vorbild Österreich, mehr als nur Steigbügelhalter der Großen sein dürfen.

Nur nicht so schüchtern: CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel und SPD-Chef Martin Schulz beim Start der Sondierungsgespräche zwischen SPD, CDU und CSU im Willy-Brandt-Haus in Berlin. Bild: Bernd von Jutrczenka/dpa
von Jürgen Herda Kontakt Profil
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Eine zweite Front des Widerstands steht in den jeweils eigenen Reihen von Rot und Schwarz: Funktionäre und Mitglieder befürchten nicht ohne Grund, dass neuerliche Kompromisse zu weiterem Profilverlust und erneuten Wahlschlappen führen. Da kann man noch so heroisch fordern, erst das Land, dann die Partei: Das ist ein wenig so, wie wenn die Verteidigungsministerin zu Hause auf der Couch jungen Rekruten zuruft: "Nur Mut, Soldaten, in Afghanistan wird nicht so scharf geschossen wie geladen wird."

Die gravierendste Spaßbremse für die Groko ist aber das Volk. Jeder und jede der 80 Millionen Deutschen hat einen eigenen Kopf. Milieus und feste Weltanschauungen verschwinden. Eine Volkspartei kann ihren Anspruch, der in beiden Wörtern ihres Namens steckt, nur gerecht werden, wenn sie den kleinsten gemeinsamen Nenner der Vielen sucht. In der Summe ist das eher langweilig. Aber das Gegenteil von langweilig im politischen Sinn wäre der Kampf jeder gegen jeden.

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