29.10.2017 - 21:42 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar zu den schwierigen Koalitionsverhandlungen Das wird nichts mit lässig abhängen in Jamaika

Jeder spricht von Jamaika, als gehe von dieser Insel ein Heilsversprechen aus - dabei sind Bob Marley und Kaiser Haile Selassie, den die Rastafari für den Messias hielten, längst tot. Die Insel am Nordrand der Karibischen Platte wird häufig von Erdbeben heimgesucht. Die Inflation ist verheerend und die Kriminalitätsrate hoch.

Koalitionsverhandlungen sind nicht die Tivoli-Gardens in Jamaikas Kingston. Bild: Klaus Blume/dpa
von Jürgen Herda Kontakt Profil
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Aber im Ernst: Wer hatte wirklich erwartet, dass mit dem Ende der Großen Koalition das politische Geschäft lebendiger und beweglicher würde? Politik ist das Bohren dicker Bretter, das Austarieren von Interessen - warum sollte das nun leichter fallen, wenn vier Parteien um Gemeinsamkeiten ringen, die sich bei manchen Themen diametral gegenüberstehen?

Und dennoch ist es ein Beweis demokratischer Reife, wenn sich so unterschiedliche Milieus wie grüne Berliner Veganer und Trachtenliebhaber der Oberpfälzer CSU zusammenraufen - im Interesse des Landes. Denn Deutschland ist weder schwarz noch grün noch gelb noch rot - Deutschland ist bunt, auch wenn das den Braunen nicht gefällt.

Bunt ist kein politischer Kampfbegriff - Vielfalt ist ein Fakt. In diesem Punkt kann man Horst Seehofer zustimmen: Es ist eine Chance für die CSU, sich mit dieser Wirklichkeit auseinanderzusetzen, will man in Großstädten punkten. Gute Politik versucht einen Interessenausgleich zwischen allen Mitglieder einer Gesellschaft. Dass das eine mühsame und undankbare Sisyphusarbeit ist, liegt auf der Hand - das Gegenteil von lässig Abhängen auf Jamaika mit Joint und einschläfernder Reggae-Musik.

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