01.10.2017 - 21:48 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar zu "Ehe für alle" Es braucht ein Umdenken bei Menschen und Medien

Seit Sonntag dürfen auch gleichgeschlechtliche Paare heiraten. Die "Ehe für alle" tritt in Kraft. Mit einer Hochzeit haben diese Paare die gleichen Rechte und Pflichten wie Ehepartner in heterosexuellen Beziehungen, dürfen Kinder adoptieren und müssen sich mit "nur" einer eingetragenen Lebenspartnerschaft nicht mehr wie Paare zweiter Klasse fühlen.

von Eva-Maria Hinterberger Kontakt Profil

Rechtlich gesehen ist mit der Gesetzesänderung eine Partnerschaft zwischen homosexuellen Menschen selbstverständlich. Für einen Teil der Gesellschaft ist sie das jedoch noch lange nicht. Das haben zahlreiche Reaktionen - auch in den Medien - auf den Bundestagsbeschluss im Juli gezeigt.

Bestes Beispiel ist ein Kommentar, der der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" Mitte September eine Rüge des Deutschen Presserats einbrachte. In diesem Beitrag vom Juli stellt der Autor die These auf, dass von gleichgeschlechtlichen Ehepartnern adoptierte Kinder eher Opfer eines sexuellen Missbrauchs werden könnten. Grund: Der Wegfall der "Inzest-Hemmung". Eine Behauptung, für die es laut Presserat keinen wissenschaftlichen Beweis gibt.

Das nächste Beispiel: Vor dem Oktoberfest warnt ein Onlineportal schwule Paare davor, ihre sexuelle Orientierung auf der Wiesn offen zu zeigen. Nicht alle Volksfestbesucher seien tolerant, heißt es. Das Portal selbst hebt damit schwule Paare als "anders" hervor - und bietet Kritikern eine weitere Angriffsfläche.

Beide Beispiele zeigen, dass es mehr braucht als eine Gesetzänderung, um eine gleichgeschlechtliche Ehe oder Partnerschaft zu etwas selbstverständlichem zu machen. Es braucht ein Umdenken in den Köpfen der Menschen - und aufseiten der Medien.

eva.hinterberger[at]oberpfalzmedien[dot]de

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