Kommentar zu Koalitionsgesprächen
Markige Sprüche und No-Gos

Rumms! Und wieder knallt eine Tür zu. Ohne Verbrennungsmotor keine Koalitionsgespräche, sagt Horst Seehofer. Cem Özdemir erwidert: Grüne gehen in keine Koalition, die nicht das Ende der Ära des fossilen Verbrennungsmotors einleitet. Diskussion beendet, Schwarz-Grün schon vom Tisch?

Markige Worte und klare Ansagen kommen beim Wählervolk gut an. Daher bekommt es gerade von allen politischen Seiten eine gehörige Dosis mit. Die nach ruhigerem Wahlkampfbeginn nun fast täglich aufkommenden, eigentlich komplexen Sachthemen werden schnell, einfach und scheinbar endgültig abgehandelt.

Dabei wissen alle Politiker: Sollten die Autobauer die Schadstoff-Emissionen nicht entscheidend senken können, wird es in einigen Großstädten über kurz oder lang Fahrverbote geben müssen. Aber auch: Solange die möglichen Alternativen technisch und strukturell noch keine realistischen sind, wird uns der Verbrennungsmotor noch länger erhalten bleiben. Ähnlich differenziert verhält es sich bei den anderen "Reizthemen des Tages". Nimmt man aber die führenden Köpfe, allen voran Horst Seehofer, beim nicht verhandelbaren Wort, bleiben kaum Koalitionsmöglichkeiten übrig. Dabei hätte die Gestaltung der Wahlprogramme jede Menge Spielräume eröffnet.

Hat sich die CSU mit dem Bayernplan gleich ein zweites Programm gegeben, braucht die FDP gar keins. Die SPD setzt auf ihre klassische, erwiesen koalitionsfähige Agenda. Am Rande: Am elegantesten hat die Aufgabe die AfD gelöst. Laut einer Untersuchung der Uni Hohenheim sind ihre Forderungen oft so umständlich formuliert, dass sie kein Wähler versteht. Aber mit den Deutschnationalen will ja eh keiner koalieren.

Und doch, allem Türenknallen zum Trotz, wird es wie immer sein: Nach der Wahl stellt man je nach möglicher Konstellation überraschend fest, dass einige der zugeschlagenen Türen - mit der richtigen Argumentation - doch einen rettenden Spalt offen sind.

tobias.schwarzmeier@oberpfalzmedien.de
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