Kommentar zu Österreich/Italien:
Schönreden nützt nicht: Die Rückabwicklung der EU läuft

Es ist eine schöne Idee. Die EU könnte doch allen Jugendlichen zum 18. Geburtstag ein Interrail-Ticket schenken - Europa erleben per Bahn, ein Präsent gegen die Europa-Skepsis. 1,5 Milliarden Euro, so wurde errechnet, würde das Geschenk kosten. Nicht allzuviel, wenn man bedenkt, mit welchen Summen die EU sonst jongliert, und angesichts der Tatsache, dass Reisen immer bildet.

Leider kommt die Idee etwas zu spät. Die Rückabwicklung der EU läuft bereits. Das Brexit-Votum war nur der erste große Schlag ins Kontor. Weitere könnten schon am Sonntag folgen. Der Vormarsch der Populisten und Europa-Kritiker geht weiter. Rückt Norbert Hofer an die Spitze Österreichs und verliert Mattheo Renzi sein Verfassungsreferendum, dann ist das zwar noch nicht der Untergang des Abendlandes. Beides aber wären weitere Sargnägel für die europäische Idee, wie wir sie bisher kennen.

Schönreden nützt nichts. Denn andere Sargnägel liegen schon bereit. Bei der Parlamentswahl am 13. März schickt sich Geert Wilders an, die Niederlande aus den Klauen der EU zu befreien. Und endgültig sturmreif wäre das Europa der Rest-27, wenn die Rechtspopulistin Marine Le Pen Ende April/Anfang Mai als Siegerin aus den Präsidentschaftswahlen in Frankreich hervorgeht.

Nichts von alledem ist zwangsläufig. Frankreich zum Beispiel sortiert sich nach dem Rückzug von François Hollande gerade neu. Und niemand weiß, wie weit ein Norbert Hofer, ein Beppo Grillo, ein Geert Wilders oder eine Marine Le Pen ihren Ankündigungen Taten folgen lassen. Oder ob sich das Brexit-Debakel bei einem Referendum in den Niederlanden oder Frankreich wiederholen würde. Aber die Existenzkrise ist realer, als es manche in Brüssel wahrhaben wollen.

albert.franz@oberpfalzmedien.de
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