Kommentar zu Sondierungsgesprächen
Wenn der Weg nach Jamaika scheitert, droht ein richtiger Sturm

Da möchte man Mäuschen spielen: Dreieinhalb Wochen nach der Bundestagswahl setzen sich an diesem Mittwoch die Spitzen von Union, FDP und Grünen zu den ersten Jamaika-Gesprächen zusammen. Ein erstes Ausloten, wie das klappen könnte mit dem Bündnis. Das Säbelrasseln hat dabei quasi stündlich zugenommen.

Als Ober-Ritter versucht sich dabei Christian Lindner zu profilieren: "Ein Grüner, ein CSU- oder ein FDP-Finanzminister - alles wäre besser, als das Kanzleramt und das Finanzministerium weiterhin in CDU-Hand zu halten, denn so wird durchregiert. Das hat sich nicht bewährt." Eine scharfe Klinge des FDP-Vorsitzenden gegen Angela Merkel. Die Meister-Diplomatin steht vor ihrer schwersten Mission. Wie will die Kanzlerin den von vielen vor allem in der CSU gewünschten Rechtsruck mit den Vorstellungen eines Grünen-Altlinken Jürgen Trittin unter einen Hut bringen?

Für Merkel ist ein Erfolg der Jamaika-Gespräche "alternativlos", wie sie es selbst formulieren würde. Wenn der Weg dorthin scheitert, droht ein richtiger Sturm. Eine Fortsetzung der Großen Koalition wäre - wenn überhaupt - nur ohne Merkel denkbar. Ein völliges Scheitern aller Verhandlungen würde Neuwahlen bedeuten, mit dem vermutlichen Profiteur AfD. Ob das Motivation genug für ein Gelingen ist? Es steht zu befürchten, dass die Schatten zu groß sind, über die potenzielle Koalitionäre springen müssen.
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A. Schmigoner aus Schmidgaden | 18.10.2017 | 19:52  
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