Kommentar zu Syrien
Das Land, in dem Gewissen ein Fremdwort ist

Die Eskalation im Syrien-Konflikt hinterlässt nur noch Kopfschütteln und Ratlosigkeit. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen, eine friedliche Lösung des sieben Jahre dauernden Krieges scheint weiter entfernt denn je. Rational ist hier nichts mehr. Die Vernunft - ohne Chance. Chemische Waffen, wirtschaftliche Interessen, verbale Querschläger - eine explosive Gemengelage.

Da ist Donald Trump, der Syrien in Rambo-Manier mit einem Militärschlag droht. Er lässt seine Muskeln nicht nur gegen Baschar al-Assad, sondern auch gegen seinen Macho-Kontrahenten Wladimir Putin spielen, der den Diktator aus Damaskus hofiert. Mit dem US-Präsidenten und seinem russischen Gegenspieler sitzen zwei Alphatiere an den Hebeln der Macht, denen mal vieles zutraut - außer geschickter und weitsichtiger Diplomatie.

Syrien bleibt Spielball der Mächte. Unterdrückt von einem Diktator, der Zehntausende Menschen auf dem Gewissen hat. Obwohl: Gewissen ist sicher kein Wort, das zu Assads Vokabular gehört. Dass Trump nun mit der Drohung eines Vergeltungsschlags gegen Syrien volles Risiko geht, um von seinen Problemen im eigenen Land abzulenken - das ist sicher bitter. Aber darf die Welt anderseits einen Diktator gewähren  lassen, der fortwährend Massaker verübt?

Es ist und bleibt ein Dilemma. Deutschland sucht den Mittelweg. Eigenes militärisches Eingreifen? Nein, Unterstützung für die westlichen Verbündeten? Ja. Was bleibt Kanzlerin Angela Merkel auch anderes übrig, als auf eine Lösung am Verhandlungstisch zu setzen? UN-Generalsekretär António Guterres hat aus gutem Grund davor gewarnt, dass die Weltmächte die Lage in Syrien außer Kontrolle geraten lassen könnten. Einen Gewinner wird es bei einem weiteren Drehen an der militärischen Spirale nicht geben.
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Franz Wölfl aus Mitterteich | 16.04.2018 | 09:53  
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