08.01.2018 - 21:38 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar zu Trinh Xuan Thanh/Deniz Naki Deutschland muss Druck erhöhen

Mühsam ausgehandelte Abkommen werden einfach so aufgekündigt, stabile Bündnisse bröckeln, Vereinbarungen sind später kaum das Papier wert, auf dem sie stehen. Der Wind in internationalen Beziehungen dreht sich heute oft schnell. Auf eines konnte man in Europa aber immer bauen - als kleinster gemeinsamer Nenner vertrackter Konflikte: Die Unverletzlichkeit der Staatsgebiete und der dort lebenden Menschen.

von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil
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Der chinesische Dissident Ai Weiwei etwa schickte vor Jahren seine Frau und seinen kleinen Sohn nach Deutschland - wo er sie in Sicherheit wusste. In einer Zeit aber, in der der Bruch jeglicher Konventionen immer mehr zur Normalität wird, scheint auch dies nicht mehr zu gelten: Trinh Xuan Thanh wird in Sichtweite des Kanzleramtes entführt und taucht als Todeskandidat auf einer Anklagebank in Vietnam wieder auf. Und auf das Auto des deutsch-kurdischen Fußballers und Erdogan-Kritikers Deniz Naki wird auf einer Autobahn in Mafiamanier geschossen. Geschehnisse wie diese sind nicht neu, wohl aber in dieser Öffentlichkeitswirksamkeit. Wo mutmaßlich Geheimdienste bisher unbemerkt operierten und Diplomaten im Hintergrund Wogen glätteten, sollen solche Brachialmethoden nun offen Stärke ausdrücken.

Daran gilt es sich anzupassen, die Fälle - wie in Hanoi - mit dem nötigen politischen Nachdruck zu verfolgen und sich nicht auf die Rolle des Zuschauers begrenzen zu lassen. Denn bei dieser "Politik mit anderen Mitteln" stößt defensive Diplomatie an ihre Grenzen.

tobias.schwarzmeier[at]oberpfalzmedien[dot]de

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