05.03.2017 - 21:06 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar zu Trump/Erdogan Gegen verbale Keulen hilft nur Besonnenheit

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan und der neue US-Präsident Donald Trump haben die Schlagzeilen fest im Griff, und beide scheinen aus dem gleichen Holz geschnitzt zu sein. Erdogan wirft Deutschland einen Rückfall in die Nazi-Zeit vor, und das Schlimme ist: Solche verbalen Entgleisungen traut man auch Trump jederzeit zu.

von Frank Stüdemann Kontakt Profil
Kommentar

Wir können uns sicher sein, dass auch aus dem Weißen Haus mit solch großkalibriger Munition in Richtung Berlin geschossen wird, sobald ein Mitglied der Bundesregierung etwas sagt oder tut, das dem wütenden Kindskopf im Oval Office nicht passt. Für den Moment ist Amtsvorgänger Barack Obama Ziel seines Zorns, aber wer weiß schon, wen er sich als nächstes vorknöpft?

Und Erdogan, ein ebenso dünnhäutiger Wüterich wie Trump, kann nicht verkraften, wie seinen Ministern hier die Möglichkeit blockiert wird, für ein "Ja" zum türkischen Verfassungsreferendum zu werben. Dabei lässt sich ja gerade noch nachvollziehen, dass die Einzelentscheidungen gegen die Auftritte in Gaggenau, Köln und Frechen einen gewissen Beigeschmack von Willkürlichkeit haben. Das kommt aber auch nur daher, dass die Bundesregierung die Verantwortung vor den Türen der Rathäuser abgeladen hat, statt das Problem auf diplomatischer Ebene zu lösen. Außenminister Sigmar Gabriel und sein türkischer Amtskollege Mevlüt Cavusoglu müssen bei ihrem Treffen diese Woche das Problem aus der Welt schaffen.

Und ansonsten gilt: Gegen verbale Keulen, ob aus Washington oder Ankara, hilft nur besonnene Politik mit zurückhaltender Wortwahl. Das Spielchen der Eskalation darf Berlin nicht mitspielen.

frank.stuedemann[at]oberpfalzmedien[dot]de

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