Kommentar zu Trump/Syrien
Syrien als Spielball der Mächte

Der Islamische Staat in Syrien ist entscheidend zurückgedrängt, Rebellengruppen ziehen sich zurück. Auch die USA hatten bereits angedeutet, ihre Zelte im Bürgerkriegsland abzubrechen. Der höchst umstrittene syrische Präsident Baschar al-Assad schien - gestützt von Russland - fest im Sattel zu sitzen.

Sollte nun ein mutmaßlicher Chemiewaffenangriff auf die Stadt Duma mit Dutzenden Toten und Hunderten Verletzten überraschend der Tropfen sein, der das Fass mit all den bisherigen Gräueltaten gegen die Bevölkerung doch noch zum Überlaufen bringt? Der internationale Aufschrei und der Drang zum entschlossenen Handeln in einem Krieg, der nach UN-Schätzungen in sieben Jahren rund 400 000 Opfer forderte, kommt spät und birgt Gefahren.

Hatten die in Syrien agierenden Mächte doch bisher wenig Elan gezeigt, die Menschen zu schützen. Im Gegenteil sorgten sie auf verschiedenen Seiten dafür, dass in den verworrenen Konflikten zwischen Regierung, Opposition, Kurden oder Islamisten nie der Nachschub ausging. Jetzt für eine gemeinsame Reaktion die Mechanismen der Weltgemeinschaft zu beschwören, ist angesichts gegensätzlicher Eigeninteressen unrealistisch.

Die zuletzt medienwirksame Selbstdarstellung Russlands, der Türkei und des Iran als Ordnungsmächte in Syrien hat ein Signal Richtung Donald Trump gesandt. Wenn die USA nun - auch nur "symbolische" - militärische Schritte gegen Assad unternehmen, droht dem Konflikt eine neue, schwer einzuschätzende Eskalationsstufe. Denn dann treffen die Interessen der USA und Russlands direkt aufeinander. Wieder mittendrin: das syrische Volk.

tobias.schwarzmeier@oberpfalzmedien.de
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