Kommentar zu unentschlossenen Wählern
Unentschlossen? – kein Wunder!

Die Pflicht ist erledigt, nun folgt die Kür. In den vergangenen Monaten haben die Parteien ihre Stammwähler mobilisiert. Nun bleiben ihre Umfragewerte relativ konstant. Der Schlussspurt beginnt - der Kampf um die Wähler, die noch keine Entscheidung getroffen haben. Bis zur 50 Prozent Unentschlossene sollen es noch sein. Die hoch anmutende Zahl überrascht bei genauerem Blick nicht wirklich: Der Umbruch in der Parteienlandschaft durch die lange Zeit der Großen Koalition und das Erstarken der AfD haben Spuren hinterlassen. Grenzen und Profile der Parteien in entscheidenden Fragen verwischen, unklare Standpunkte lassen viele Wähler ratlos zurück.

Es zeigt sich, dass es falsch wäre, das Gros der Wähler oberflächlich zu nennen. Die Deutschen stellen sich Fragen, die nichts mit dem Umgang mit Erdogan oder Trump zu tun haben: Welche Partei vertritt sie in ihrer Lebenssituation am besten, welche kann ihre persönlichen Probleme wie etwa prekäre Arbeitsverhältnisse, Angst vor Überfremdung oder Altersarmut lösen? Die Kanzlerin, bei der durch Positionswechsel und Relativierungen keiner so richtig weiß, wofür ihre CDU in sozialen Fragen steht? Oder die SPD, die nach konservativeren GroKo-Jahren wieder deutlich nach links rückt? Oder gar eine der Acht-bis-zehn-Prozent-Parteien, die den Spagat zwischen Koalitionsfähigkeit und ihrer Parteitradition versuchen?

Im Ringen um einen Ansatzpunkt, durch den sich Unentschlossene und Politikverdrossene überzeugen lassen, sollten die gepflegten Images der Spitzenkandidaten eine gefühlsmäßige Verbindung zum Wähler erzeugen. Offensichtlich reicht das nicht aus. Gut zwei Wochen haben Merkel, Schulz und Co. noch Zeit, Antworten zu liefern.

tobias.schwarzmeier@oberpfalzmedien.de
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