Kommentar zu Weihnachten
Die Weihnachtsgeschichte ist eine Botschaft wider den Nihilismus

In diesen Tagen scheint nichts mehr so zu sein, wie es war. Die USA, Europa, auch Deutschland erleben einen Angriff auf tradierte Modelle. Das, was lange als gesichert galt, wird infrage gestellt. Ja es scheint, als ob das Überlieferte nichts mehr wert ist. Konflikte, Kriege und Terror, die weit weg schienen, sind an unsere Haustüre gerückt. Die Terroranschläge in Europa, zuletzt auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin, sind bittere Belege.

In der Wirtschaft dominiert ein Modebegriff aus dem kalifornischen Silicon Valley: Disruption. VW-Manager Johann Jungwirth ruft gar das "Zeitalter der Disruption" aus. Bezeichnet Globalisierung das Zusammenwachsen der Welt, soll Disruption (gemeint ist die Zerstörung traditioneller Geschäftsmodelle) die Umwälzungen durch die Digitalisierung beschreiben. Klar ist schon heute: In der Industrie 4.0 werden Zehntausende Arbeitsplätze verschwinden, aber auch neue entstehen.

Populismus und Nationalismus, alte, längst tot geglaubte Gespenster sind in Europa wieder auferstanden. Sie suchen selbst die Vereinigten Staaten heim. Unsicherheit, bei vielen sogar Angst, greift um sich. Wut und Hass, der Durst nach Rache brechen sich Bahn. Das Eigene wird so lange betont und überhöht, bis diejenigen selbst eigen werden. Politisch gesprochen: Radikale Kräfte und Extremisten haben Zulauf. Jeder, der nicht dem Selbstbild entspricht, wird zum Feind erklärt. Das Verbindende und Gemeinsame wird geleugnet. Alles getreu dem Motto eines der ersten Propheten der Disruption, des Futuristen Buckminster Fuller. "Wir müssen neue Modelle schaffen, die die existierenden überflüssig machen." Wirklich?

Christen sagen, Jesus ist mit seiner Menschlichkeit der entscheidende Disruptor. Er fordere nichts weniger als eine radikale Umkehr - im Namen Gottes. Der Sohn eines Zimmermanns aus Nazareth steht in einer jahrtausendealten Tradition: dem Ringen um Menschenrechte und Menschenwürde. Die Basis ist der Monotheismus, den das Judentum zuerst verbreitete. Gott steht für Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität.

Weihnachten ist ein guter Anlass, sich dieser jüdisch-christlichen Wurzeln unserer Werte zu erinnern - das gilt auch für Menschen, die sich in der Tradition der Aufklärung sehen. Denn die Weihnachtsgeschichte über das Kind in der Krippe in Bethlehem ist eine Botschaft der Menschlichkeit wider den um sich greifenden Nihilismus.

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