18.04.2017 - 21:42 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar zum Abstimmungsverhalten der Deutschtürken Wer für die Erdodaktur stimmt, kann auch gleich NPD wählen

Nimmt man das Ergebnis der Abstimmung über das Ermächtigungsreferendum von Recep Tayyip Erdogan Ernst, muss man befürchten: Die in Deutschland lebenden Türken gaben den Ausschlag für die Abschaffung wesentlicher Elemente der demokratischen Türkei.

Recep Tayyip Erdoğan auf dem Weg zur Alleinherrschaft. Bild: dpa
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Um es weiter zuzuspitzen: Während die Menschen in Ankara und Istanbul gegen die Einführung einer Erdotaktur stimmten, votierten die Kumpels aus Dortmund, die Gemüsehändler aus Nürnberg und die Rapper aus Berlin für die Einführung der Todesstrafe und bejubelten die Versklavung ihrer Landsleute mit Autokorsos.

Es ist nicht alles perfekt in Deutschland. Manche Zeitgenossen halten sich für rassisch überlegen, weil sie den Vorzug eines blassen Teints, eines schwer verständlichen Dialekts und einer anderen Religionszugehörigkeit besitzen. Vernagelte Rassisten gibt es überall - aber in vielen Staaten weit weniger Rechte, sich gegen Diskriminierung zur Wehr zu setzen.

Es gab und gibt in dieser Gesellschaft nicht nur Ausgrenzung, sondern die Einladung vieler Millionen Deutscher, die ein Stück der überragenden Gastfreundschaft, zu der die Türkei fähig ist, zurückgeben wollen. Eine deutliche Mehrheit der Deutschen tritt in Gewerkschaften, Kirchen und anderen Institutionen für ihre Kumpels mit Migrationshintergrund ein.

Wer selbst schon einmal im Ausland gelebt hat, weiß, wie schwer es ist, seine Prägungen abzulegen wie ein Kleidungsstück. Aus Protest gegen erlittene Demütigungen aber für ein System zu stimmen, das Bürger zu Claqueuren eines Alleinherrschers erniedrigt, ist so schizophren wie als Deutschtürke NPD zu wählen.

juergen.herda[at]oberpfalzmedien[dot]de

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