Kommentar zum Anschlag in Berlin
Es ist Zeit für den Rechtsstaat, nicht für die Hassprediger

Frohe Weihnachten. Das klingt vertraut, friedlich, beruhigend. Ein Wunsch, der von Herzen kommt. Mitten in diese "staade Zeit" donnert jetzt der Anschlag von Berlin. Zwölf Tote. Menschen, die nur einen Glühwein trinken oder gebrannte Mandeln essen wollten. Das Leid der Angehörigen ist unermesslich. Völlig egal, wer der Täter oder die Täter sind, was auch immer die Hintergründe des furchtbaren Blutbades waren.

Es ist die Stunde der Trauer, auch der Sorge. Aber nicht der Zeitpunkt für Panik und Scharfmacherei. Wer geglaubt hat, Deutschland könne nicht das Ziel von Attentätern sein, bewies ohnehin eine erstaunliche Naivität. Ob der Lastwagen nun aus religiösem Wahn oder sonstigen irrsinnigen Motiven in die Menge gesteuert wurde, ist zweitrangig. In unserer freien Gesellschaft wird es die absolute Sicherheit nicht geben.

Es ist auch die Stunde des Rechtsstaates. Der oder die Täter müssen gefunden und verurteilt werden. Das hat Priorität. Ohne Beschönigung. Wenn der Attentäter ein Flüchtling war, muss dies auch benannt werden. Und Sicherheitsmängel, die bei der Einreise von Migranten entstehen, müssen minimiert werden. Das ist die Aufgabe der Politik und der Sicherheitsbehörden.

Beschämend sind nach dem Berliner Anschlag wieder einmal die Reflexe von Rechtsaußen. Kaum sind die Leichen in die Särge gelegt, kommen die Kläffer aus ihren Löchern. Als würde mancher Politiker nur darauf warten, dass etwas passiert.

Die AfD gibt in vorderster Front den Hassprediger. Aber auch Horst Seehofer kocht schnell sein politisches Süppchen und stellt mal wieder die gesamte Flüchtlingspolitik in Frage. Dazu geistern Bilder von Kanzlerin Merkel mit Blut an den Händen durchs Netz.

Es ist die Hoch-Zeit der Hetzer. Sie müssen wissen, dass sie damit das Geschäft der Terroristen betreiben. Sie säen Hass, sie verbreiten Angst. Wir dürfen uns dem nicht beugen. Deutschland ist stark, unsere Demokratie ist stark. Es ist kurz vor Heiligabend. Es ist Zeit, Zeichen zu setzen, für Hoffnung, für unseren Rechtsstaat. Frohe Weihnachten.

frank.werner@oberpfalzmedien.de
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C. Schmitz aus Regensburg | 20.12.2016 | 22:14  
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