31.08.2017 - 21:20 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar zum Arbeitsmarkt Vollbeschäftigung ein hehres Ziel, aber unrealistisch

Die Arbeitslosenquote verharrt auf stabil niedrigem Niveau - eine ohne Zweifel positive Nachricht. Aber auch hier gilt: Traue keiner Statistik. Zumindest nicht vorbehaltlos. Denn die Bundesagentur (BA) zählt alle Menschen, die mit ihrer Unterstützung Trainingskurse sowie Aus- und Fortbildungen absolvieren, nicht mit. Eine hübsche Zahltrickserei. Denn der berufliche Lebensinhalt dieser Menschen kann auf Dauer nicht nur aus Fortbildung bestehen. Sie sollen ja irgendwann eine richtige Arbeit aufnehmen. Ehrlicherweise müsste man sie ebenfalls als Arbeitslose zählen - und auf einen Schlag wäre die Zahl der Arbeitslosen um 936 000 höher.

von Agentur DPAProfil
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Dabei sind gerade die Menschen, die Training und Fortbildungen benötigen, die Sorgenkinder. Langzeitarbeitslose älteren Semesters etwa, die mit Mitte 50 möglicherweise unverschuldet entlassen wurden. Mit einer Berufsausbildung, die sich zum Beispiel durch den digitalen Wandel überholt hat. Menschen, die nicht mehr ganz so flink sind wie junge Berufsanfänger und die möglicherweise schon alleine aus Altersgründen an dem einen oder anderen Wehwehchen leiden.

Die weitaus größere Gruppe im Heer der über eine Million Langzeitarbeitslosen sind Menschen ohne Ausbildung. Sie fit für den Arbeitsmarkt zu machen ist die ungleich schwerere Aufgabe, vor allem weil oftmals soziale Probleme die Integration in den Arbeitsmarkt erschweren. Förderprogramme und politische Vorgaben dazu gibt es viele. Der durchschlagende Erfolg bleibt bislang aus. Vollbeschäftigung muss ohne Zweifel ein Ziel bleiben - ob das Ziel aber realistisch ist, darf bezweifelt werden.

alexander.raedle[at]oberpfalzmedien[dot]de

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