Kommentar zum bayerischen Digitalpakt
Seehofer ist nicht Stoiber

Ein Vierteljahrhundert nach Edmund Stoibers Hightech-Offensive, die ganz Bayern ungeahnten Aufschwung gebracht hat, packt die Regierung Horst Seehofer mit großer Energie die Digitalisierung als nächste technologische Revolution an. Die Pläne sind ambitioniert, die Investitionen riesig. Wird alles umgesetzt und an mancher Stelle kluger Rat aus Opposition, Wirtschaft und Wissenschaft angenommen, hat der Digitalpakt das Zeug, die gleiche Wirkung wie Stoibers Offensive zu entfalten.

Seehofer ist aber nicht Stoiber. Der hat einmal gefasste Pläne im Zweifel bis zum bitteren Ende exekutiert. Seehofer ist da geschmeidiger. Darin schlummert die Gefahr des Scheiterns. Erinnert sei an die stockende Energiewende, die in Bayern beispielhaft für Europa umgesetzt werden sollte. Oder an die Elektromobilität. Bis 2020 wollte Seehofer 200 000 E-Autos auf Bayerns Straßen haben, aktuell sind es um die 10 000. Ohne Nachhaltigkeit und langen Atem wird die Digitalisierung kein Erfolg.

Was in Seehofers Konzept fast völlig fehlt, ist die Frage nach den ethischen und sozialen Folgen der Digitalisierung. Was geschieht mit Menschen, wenn Computer und Roboter Leben und Arbeit bestimmen? Was bedeutet es für Arbeitnehmer, die sich der Konkurrenz nimmermüder und hochpräziser Maschinen ausgesetzt sehen? Welche Konsequenzen hat es für Staat und Gesellschaft, wenn sich Wertschöpfung immer mehr von menschlicher Arbeit abkoppelt? Bei aller Begeisterung über die Chancen der Digitalisierung für Bayern - an diesen Punkten muss Seehofer nacharbeiten.

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