Kommentar zum CDU-Parteitag
Merkels Ablehnung des Optionszwanges ist richtig

Die CDU hat sich und der Gesellschaft mit ihrem Beschluss zur Ablehnung der doppelten Staatsbürgerschaft keinen Gefallen getan. Es ist richtig, dass Kanzlerin Angela Merkel sofort auf Distanz gegangen ist. So weiß die Partei, woran sie mit ihrer Vorsitzenden ist. Und: Die Regierungschefin verteidigt ihre Position der Mitte - ohne die sie für viele nicht wählbar ist.

Bis zur Wahl im September 2017 wird der Beschluss, die Optionspflicht wieder einzuführen, nicht umgesetzt werden. Aber er trübt die Stimmung in der Großen Koalition. Das macht die nächsten Monate für Merkel, die ohnehin vom einsetzenden Wahlkampf geprägt sein werden, unnötig schwer.

Vor allem aber baut die CDU Hürden zu möglichen Koalitionspartnern auf, zu den Grünen und zur SPD. Diese könnten sich veranlasst sehen, es doch mit Rot-Rot-Grün zu versuchen. Kein Wunder, dass der hessische Ministerpräsident Volker Bouvier (CDU) den Beschluss für falsch hält. Er regiert mit einer schwarz-grünen Koalition und kennt daher grüne Kernpositionen sehr genau.

Die CDU-Forderung geht an der Lebensrealität vorbei. Ein Optionszwang ist wenig integrationsfördernd. Er treibt junge Menschen in einen unnötigen Konflikt zwischen Elternhaus und Staat. Zumal der Besitz von nur einer Staatsbürgerschaft nicht die Loyalität zum jeweiligen Staat garantiert. Es gibt viele Deutsche, die hier geboren und deren Vorfahren seit Generationen Deutsche sind, die die freiheitliche Grundordnung ablehnen: etwa Neonazis und "Reichsbürger" oder früher die Terrorgruppe RAF.

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