02.04.2018 - 22:20 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar zum Datenverkauf der Post an CDU und FDP Postgeheimnis statt parteiischer Post

"Für jedes Gebäude im Wahlkreis wird für jede Partei ein Chancenwert ermittelt", wirbt die Post in einer Broschüre. Für etwa 20 Millionen Häuser mit rund 34 Millionen Haushalten in Deutschland stünden "mehr als eine Milliarde Einzelinformationen" zur Verfügung.

Postwissen kann zur politischen Macht führen: Eine Mitarbeiterin der Deutschen Post sortiert Großbriefe im Briefzentrum. Bild: Jan Woitas/dpa
von Jürgen Herda Kontakt Profil
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Was die Post über uns weiß und für Bares gerne mit jedem teilt: Angaben zu Kaufkraft, Bankverhalten, Geschlecht, Alter, Bildung, Wohnsituation, Familienstruktur und Pkw-Besitz. Die Post kauft zudem Daten von Behörden wie dem Kraftfahrt-Bundesamt und Katasteramt.

Soweit bekannt verlief der Verkauf der Daten an CDU und FDP gesetzeskonform: Rückschlüsse auf einzelne Personen nicht möglich. Und tatsächlich kann man fragen: Lässt sich politische Einstellung auf einer Skala von 1 bis 100 nach Hausnummern festlegen? Schlossallee Nummer 8, kollektiv FDP?

Klar lassen sich Wahrscheinlichkeiten errechnen. Der Vorteil für die Parteien? Sie könnten Wahlwerbung effektiver einsetzen. Nach dem Motto: Sie sparen Geld, wir uns mit Plakatgrinsern zugepflasterte Städte. Hört sich vernünftig an?

Drei Argumente dagegen: Zum einen geht der politische Willensbildungsprozess alle an. Meinungsbildung nach Schichtzugehörigkeit ist undemokratisch. Zweitens könnten die Wahlkampfzentralen der Parteien dann versucht sein, jeder Zielgruppe ein anderes Konzept vorzugaukeln. Drittens und vor allem sollte sich die Post auf ihr Kerngeschäft konzentrieren: Zuverlässige Auslieferung und faire Bezahlung des Personals. Früher galt das Postgeheimnis als heilig. Eine käufliche, parteiische Post widerspricht diesem Prinzip.

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