01.01.2018 - 22:08 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar zum Entspannungskurs Ankaras Verhältnis zur Türkei bleibt schwierig

Es kommen versöhnliche Töne aus Ankara. Pünktlich zum Jahreswechsel, an dem traditionell ein, zwei Gänge runtergeschaltet wird, sich erhitzte Gemüter etwas abkühlen und sich - zumindest in homöopatischen Dosen - Ruhe und Besinnlichkeit auch in Politikerseelen breitmacht.

von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil
Kommentar

Gefühlt in diesem Geiste deutet Mevlüt Cavusoglu einen Entspannungskurs im deutsch-türkischen Verhältnis an. Aufbauend auf der guten Beziehung des türkischen Außenministers zu seinem Amtskollegen Sigmar Gabriel. Und auf Aktionen wie zuletzt die Freilassung einiger deutscher Inhaftierter in der Türkei. Cavusoglus Prognose scheint aber allzu optimistisch. Selbst beim avisierten Zugehen der Türkei auf Deutschland schwingen in Nebensätzen Drohungen und Vorwürfe mit.

Das Selbstbild von Recep Tayyip Erdogan und seinen Mitstreitern bleibt problematisch: Als starker Mann am Bosporus, der sich herzlich zeigen, vermeintliche "Attacken" aber hart beantworten will. Auch ebbten türkische Verbalangriffe regelmäßig nach gelungenen Schritten Erdogans zum Staatsumbau ab - wie nun beim Notstandsdekret. Aber nicht auf Dauer.

Deutsche Kritik wird angesichts ungelöster und neuer Konflikte auch künftig nicht ausbleiben. Wenn etwa die Einführung der Todesstrafe näherrückt, wird sich zeigen, wie viel die jetzigen Aussagen wert sind. Dann kann die Türkei zeigen, dass sie auf Dialog statt auf Druck setzt. Ansonsten geht das Auf und Ab auch 2018 weiter.

tobias.schwarzmeier[at]oberpfalzmedien[dot]de

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