29.05.2017 - 16:08 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar zum europäisch-amerikanischen Verhältnis: Die Europäer, auch Merkel, waren seit Jahren gewarnt

Seit Anfang des Jahres sind rund 400 Soldaten aus der Oberpfalz in Litauen stationiert. Die Männer und Frauen aus Oberviechtach, Pfreimd und Roding sind Teil jener Nato-Kräfte, die zur Abschreckung Russlands dienen. Dabei weiß jeder, bei der Nato und natürlich auch in Moskau, dass diese Kräfte zahlenmäßig nicht zur Verteidigung des Baltikums in der Lage sind.

von Alexander Pausch Kontakt Profil
Kommentar

Die Soldaten dienen als Stolperschnur, um deutlich zu machen, jeder Aggressor bekäme es automatisch mit der Allianz und damit der Atommacht USA zu tun. Falls alle zur Beistandsplicht stehen. Die Minister von US-Präsident Donald Trump haben bei ihren Besuchen in Europa mehrfach den Willen der USA zur kollektiven Verteidigung betont. Nur eben nicht der Chef - und im US-Regierungssystem hat das letzte Wort nun mal das Weiße Haus.

Der US-Präsident und seine Berater pflegen einen undurchsichtigen Umgang mit der russischen Regierung. Dieser wird in den USA untersucht. Weder unter europäischen Verbündeten noch innerhalb der deutschen Regierungskoalition besteht Einigkeit: Die Annexion der Krim durch Russland verstehen einige nur als Regelverstoß, nicht aber als Bedrohung der europäischen Ordnung. Deshalb sollte niemand Trump dessen indifferente Haltung zum Vorwurf machen. Zudem stellen sich die Bedrohungen aus US-Sicht anders da: Die Krim ist weit weg, aber Nordkorea und China sind ungemütlich nahe.

Die Europäer sollten nicht sagen, sie seien nicht gewarnt worden. Schon Trumps Vorgänger Barack Obama forderte einen höheren Beitrag zur Verteidigung. Im Jahr 2011 hielt Obamas Verteidigungsminister Robert Gates in seiner Brüsseler Abschiedsrede den Amtskollegen vor, es könnte sein, dass in den USA ein Politiker an die Macht käme, der nicht im Kalten Krieg großgeworden und der Nato nicht verbunden ist. Zu dieser Zeit war Karl-Theodor zu Guttenberg Angela Merkels Verteidigungsminister. Er strich den Wehretat so zusammen, dass sich die Bundeswehr bis heute nicht davon erholt hat.

Trotz ist in der Politik kein guter Ratgeber, das sollte die Bundeskanzlerin wissen. Auch die Erkenntnis, dass Europa mehr für sich selbst tun muss, ist nicht neu. Am Ende aber gilt: Was ist gewonnen, wenn die Kanzlerin ebenfalls zum Ego-Trip aufbricht? Es würde nur Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in die Hände spielen.

___

E-Mail an den Autor:

alexander.pausch[at]oberpfalzmedien[dot]de

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.