Kommentar zum G20-Gipfel
Der Gipfel der Enttäuschung

Von Frank Werner

"Durchs redn kumma d'Leit zam." So sagt man in der Oberpfalz. Gespräche bringen näher, schaffen Vertrauen. Das hätte auch als Rechtfertigung für den G20-Gipfel in Hamburg gelten können. Aber alle Befürchtungen scheinen sich schon vor Ende des Polit-Spektakels zu bewahrheiten: Dieses Treffen der Mächtigen ist eine Farce. Und es ist eine bittere Beschreibung der Befindlichkeiten der Weltpolitik.

Der Kampf gegen den Klimawandel, gegen Hunger und Armut auf unserem Planeten, gegen die Bedrohung durch Terrorismus, gegen die Flüchtlingskrise - drängende Pflichtaufgaben gibt es genug. Dieses Schaulaufen eines elitären Kreises dient aber nicht zur Problemlösung.

Angela Merkel wollte den Gipfel in Hamburg. Sie muss nun mit dem absehbaren Misserfolg leben. Ausgerutscht auf dem dünnen Eis, das die Polit-Machos Donald Trump, Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan an der Elbe betreten haben. Die schon als "Retterin der freien Welt" gefeierte Kanzlerin gerät an ihre Grenzen.

Merkel hat die Warnungen vor dem heißen Pflaster Hamburg offenbar unterschätzt. Die Millionenmetropole als Tagungsort - das konnte nicht gut gehen. Die Masse friedlicher Demonstranten geht im Sturmtrupp der randalierenden Chaoten unter. Brennende Autos und verletzte Polizisten konterkarieren die berechtigte Kritik am Gipfel.

So bleiben die Bilder von Rauchwolken über Hamburg und Massen-Shakehands zwischen Politikern. Draußen Chaos, drinnen dicke Luft. Es droht ein Gipfel der Enttäuschung mit Ansage. Das hat Hamburg nicht verdient - und auch nicht Angela Merkel.

frank.werner@oberpfalzmedien.de
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