10.09.2017 - 22:18 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar zum Konflikt mit der Türkei Erdogans Retourkutsche hat keine Reaktion verdient

Am Sonntag, hat Deniz Yücel seinen 44. Geburtstag gefeiert. Nicht im Kreise seiner Familie, sondern in einem türkischen Gefängnis, wo er seit mehr als 200 Tagen sitzt - ohne Anklage und ohne Aussicht auf Entlassung. Der hessische Journalist mit türkischen Wurzeln ist nicht das einzige deutsche Opfer der staatlichen Willkür in der Republik von Recep Tayyip Erdogan, aber er ist mittlerweile zum Symbol des Konflikts zwischen Ankara und Berlin geworden.

von Frank Stüdemann Kontakt Profil
Kommentar

Mit der "Reisewarnung" der türkischen Regierung für Deutschland hat die Auseinandersetzung einen neuen Tiefpunkt erreicht, den man fast albern nennen könnte, wenn die Sache nicht so ernst wäre. Zur Erinnerung: Der verschärfte Reisehinweis des Auswärtigen Amts warnt Bundesbürger, dass sie in der Türkei jederzeit im Gefängnis landen können, wenn sie nicht aufpassen, was sie sagen oder schreiben. Der Fall Yücel belegt, dass diese Warnung begründet ist.

Schwer zu ertragen ist nicht, dass Erdogan eine solch alberne Retourkutsche nötig hat, sondern, dass Berlin sich einmal mehr zu einer Reaktion provozieren lässt. Stattdessen sollten in Brüssel dem Beitrittskandidaten am Bosporus harte Bedingungen gestellt werden. Erdogan will unbedingt in die EU - hier muss man endlich den Hebel ansetzen, damit nicht nur Deniz Yücel bald freikommt. Zum Schweigen wird man Erdogan ohnehin nie bringen, aber vielleicht zur Vernunft.

frank.stuedemann[at]oberpfalzmedien[dot]de

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.