Kommentar zum Terrorprozess in Brüssel
Abdeslam stilisiert sich vor Gericht als Held des IS

Jetzt, da er erstmals vor Gericht steht, gibt sich der belgische Terrorist Salah Abdeslam mutig. Ganz im Einklang mit der salafistischen Ideologie lehnt er die Autorität der belgischen Gerichtsbarkeit ab. "Verurteilt mich zu was ihr wollt, ich antworte nur Allah!", hält der heute 28-jährige den Richtern in Brüssel entgegen.

Das Verfahren gegen Abdeslam in der belgischen Hauptstadt galt vor Beginn als Gradmesser für dessen Kooperationbereitschaft mit der Justiz. Am ersten Verhandlungstag war diese gleich Null. Abdeslams Haltung drückt das aus, was der Kern der salafistischen und dschihadistischen Bewegung ist - auch hierzulande. Die jungen Männer und zunehmend auch jungen Frauen erkennen keine Autorität an, außer der Gottes.

Deshalb fühlen sie sich ermächtigt alles zu tun, was sie in ihrem Verständnis des vermeintlichen göttlichen Auftrages für richtig halten. Andere, die diese Glaubensvorstellungen zu Recht kritisieren, werden als Ungläubige abgelehnt und auch verfolgt.

Zugleich stilisieren die Salafisten alle Muslime als Opfer. Diese würden durch die westlichen Demokratien verfolgt und in den pluralistischen Gesellschaften unterdrückt. Auch diese Leerformel führt Abdeslam vor dem Gericht in Brüssel ins Feld.

Die Terrormiliz IS schmiedet an neuen Erzählungen. Unterstützt wird sie von Veteranen, die aus Syrien und Irak zurückkehren. Aus ihren vermeintlichen Heldengeschichten werden Mythen gestrickt, die neue Generationen für die menschenverachtende Ideologie begeistern sollen. So wie sich der Terrorist Abdeslam vor Gericht gibt, surft er auf dieser Welle.
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