Kommentar zum TV-Duell
Am Ende gewinnt die Kanzlerin

Du hast zwar keine Chance, aber nutze sie. Wenn Martin Schulz am Sonntag als Außenseiter den TV-Duell-Ring betritt, wird ihm der Achternbusch-Spruch in den Sinn kommen. Er muss als Herausforderer - auch angesichts schlechter Umfragewerte - klar punkten. Gegen eine sturmerprobte Angela Merkel, die die Erfahrung aus drei Rede-Duellen mitbringt.

Neu ist nur, dass die gewöhnlich eher schweigsame als sprachgewandte Kanzlerin zum ersten Mal als Favoritin gilt. Gegen den kampflustigen Gerd Schröder rhetorisch unterlegen, ging sie gegen einen zögerlichen Frank-Walter Steinmeier mit Vorteilen aus dem Ring und holte im sachlich-trockenen Disput gegen einen soliden Peer Steinbrück ein Unentschieden heraus.

Schulz und seine SPD setzen mit der Kandidaten-Debatte auf ein kaum berechenbares Instrument, um das Steuer im Wahlkampf noch entscheidend herumzureißen. TV-Duelle gelten für viele Wähler nur bedingt als Entscheidungskriterium. Dass Schulz seine Kontrahentin nicht direkt attackieren will, ist wegen der langen faktischen Partnerschaft richtig, nimmt aber Emotionalität heraus. Analysten werden zudem im Nachklapp erfahrungsgemäß die Ergebnisse bis hin zur kleinsten Mimik-Nuance überanalysieren, relativieren und zum Schluss kommen, dass irgendwie jeder gewonnen hat. Die Wahrheit liegt letztlich aber in der Wahlkabine - und da lautete die Gewinnerin stets Angela Merkel.

Schulz kann in der TV-Arena dennoch Treffer landen. Viele Deutsche kennen ihn noch zu wenig. Vor 15 bis 20 Millionen erwarteten Zuschauern, darunter viele Unentschlossene, kann er noch spät eine aussagekräftige Visitenkarte als Bewerber um das Kanzleramt abgeben.

tobias.schwarzmeier@oberpfalzmedien.de
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