Kommentar zur Bertelsmann-Integratiosstudie
Von wegen bildungsfern: Muslime auf Augenhöhe

Eine Frau mit Kopftuch während der Vergabe der Zertifikate für die erfolgreiche Teilnahme an einem Sprachkurs. Bild: Sebastian Kahnert/dpa

Wieder einmal ist Thilo Sarrazin empirisch widerlegt: Die neue Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt, dass Muslime in Deutschland bemerkenswert gut integriert sind. Der internationale Vergleich beweist: Nicht Religionszugehörigkeit entscheidet über Erfolgschancen, sondern Rahmenbedingungen.

Die Zahlen lügen nicht: Spätestens in der zweiten Generation unterscheidet sich die Erwerbsbeteiligung von Muslimen nicht mehr vom Bundesdurchschnitt der deutschen Bevölkerung: Rund 60 Prozent arbeiten in Vollzeit, 20 Prozent in Teilzeit, und die Arbeitslosenquote gleicht sich ebenfalls an.

Diese Erkenntnis löst nicht alle offenen Fragen der Flüchtlingskrise. Aber sie zeigt, dass Integration keine Gretchenfrage ist. Weder Hautfarbe, noch Religion oder Herkunftsland sind entscheidend, ob Zuwanderer in der Mitte der Gesellschaft ankommen - es sind die Bildungschancen und der Zugang zum Arbeitsmarkt. Bei gleicher Ausgangslage schaffen es prozentual ebenso viele Zuwandererkinder in Handel, Handwerk und Hochschule wie beim deutschen Nachwuchs.

Bischof Hubert Bucher engagierte sich 50 Jahre gegen die Apartheid in Südafrika. Er weiß, wie verheerend Ausgrenzung sowohl für die Privilegierten als auch für die Diskriminierten wirkt. "Die Zuwanderung der Muslime ist für beide Seiten eine Chance", sagt er. Das kinderarme Europa brauche Menschen, die sich hier ein Leben in Würde aufbauen wollen. "Und die Muslime können wie die Christen in der westlichen Gesellschaft lernen, die Heilige Schrift textkritisch auszulegen." Das ist eine frohe Botschaft!

juergen.herda@oberpfalzmedien.de
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Josef Mairinger aus Aufhausen | 27.08.2017 | 14:59  
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