Kommentar zur Bilanz des 44. US-Präsidenten
Obama schafft kein Wir-Gefühl, Trump vertieft die Gräben

Bewegender Abschied: US-Präsident Barack Obama wischt sich bei seiner Abschiedsrede in Chicago (USA) auf der Bühne des McCormick Place Tränen aus den Augen. (Foto: dpa)

Die Erwartungen an Politiker sind grotesk hoch - gemessen an den reellen Handlungsspielräumen in Demokratien und der prosaischen Einsicht, dass sie keine Übermenschen sind. In Amerika zumal, wo der Präsident zugleich Königsersatz und Volksheld sein soll - zunehmend mit dynastischen Zügen.

Barack Obama, der Jurist mit Zeug zum Volkstribun: Der erste afroamerikanische Präsident hatte eine Mission, eine Vision und eine Rhetorik, die seine Zuhörer elektrisierten. Nach Bush jr., dem Master of Desaster auf allen Politikfeldern, gelang es Obama, die lahmende Wirtschaft zum Laufen zu bringen. Millionen Jobs zu schaffen und arme Amerikaner an den Vorzügen einer Krankenversicherung teilhaben zu lassen.

Der smarte Demokrat weckte, wie jeder Kandidat, der gewählt werden will, Erwartungen, die ein noch so mächtiger einzelner Mensch in einem komplizierten System gegenseitiger Kontrolle - richtiger: republikanischer Blockade - nicht erfüllen kann. Er konnte sein Versprechen, den rechtsfreien Raum Guantanamo zu schließen, nicht halten. Die militärische Zurückhaltung nach der fatalen Interventionspolitik seines Vorgängers, die den IS erst möglich machte, wurde in Syrien durch die von Assad und Putin überschrittene rote Linie konterkariert.

Die Erwartung, dass Obama das weiße und bunte, das frömmelnde und das liberale, das weltoffene und das protektionistische Amerika einen könnte, war zum Scheitern verurteilt. Der Kapitalismus mit Wall-Street-Prägung fördert Egoismus und Partikularinteressen - der Milliardär im Oval Office wird die Gräben vertiefen.

juergen.herda@oberpfalzmedien.de
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Norbert Haßler aus Kirchenthumbach | 12.01.2017 | 13:16  
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