13.10.2017 - 22:10 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar zur Bildungsstudie Der schlechte Schüler -– ein gemeinsames Kind vieler Eltern

Rechnen, schreiben, zuhören - mangelhaft. Immer mehr deutsche Grundschüler erfüllen in Kernfächern nicht einmal mehr die Mindestanforderungen. Obwohl Bayern in der Bildungsstudie noch am besten dasteht, gibt es auch hier keinen Grund, sich selbstzufrieden zurückzulehnen.

von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil
Kommentar

Erklärungsansätze für das ernüchternde Ergebnis gibt es viele - und sie treffen alle zu: Zu geringe finanzielle und personelle Ausstattung der Schulen, zu viele Unterrichtsausfälle, Defizite bei der aufwendigen Inklusion von Schülern mit Förderungsbedarf und Integration der Flüchtlingskinder. Fördern und fordern? Fehlanzeige!

Wurde jahrelang beklagt, dass die Eltern ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag an die Lehrer weitergeben würden, ist es der Studie nach längst umgekehrt: Die Eltern sind der entscheidende Erfolgsfaktor. Überspitzt gesagt: Sozialer Status ist gleichbedeutend mit Leistungsfähigkeit. Je weniger die Kinder von zu Hause mitbekommen, desto höher ist die Gefahr des Scheiterns. Die Perspektive ist düster: Bildungsmangel wird "vererbt" - ein Teufelskreis.

Wenn mehr als 40 Prozent der Schüler ab 16 Jahren Auschwitz nicht kennen, was eine andere Umfrage aufdeckte, kann man nicht mehr von einem heilsamen Warnschuss sprechen. Es herrscht dringend Handlungsbedarf. Eine nachhaltige Bildungspolitik, die mehr investieren muss, ist ebenso nötig wie motivierte Lehrer und Eltern, die unterstützt werden. Sich gegenseitig die Schuld zuzuschieben wäre falsch: Der schlechte Schüler ist - ebenso wie der gute - ein Gemeinschaftsprodukt.

tobias.schwarzmeier[at]oberpfalzmedien[dot]de

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