05.07.2017 - 22:14 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar zur europäischen Haltung im Konflikt um Katar Eher verzichtet die Fifa auf die WM-Milliarden

Die schlechte Nachricht zuerst: Das Emirat Katar ist keine Demokratie. Man hatte schon so etwas vermutet. Der Gastgeber der Fußballweltmeisterschaft 2022 im Osten der arabischen Halbinsel ist zwar nur halb so groß wie Hessen, aber dank Erdöl und Erdgas eines der reichsten Länder der Erde. Und Scheich Tamim bin Hamad Al Thani nutzt die wirtschaftliche Macht zunehmend politisch.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD, l-r) und Katars Außenminister Scheich Mohammed bin Abdulrahman bin Jassim Al-Thani in einem Hotel in der Hautstadt Doha (Katar). Bild: Gregor Fischer/dpa
von Jürgen Herda Kontakt Profil
Kommentar

Nicht von ungefähr fordert auch Kairo die Schließung des Nachrichtensenders Al Dschasira in Doha: Die frühere "Insel der Meinungsfreiheit" im Nahen Osten hatte sich während des Arabischen Frühlings eindeutig pro-Muslimbrüder positioniert. Mit Ablegern auf dem Balkan trachtet der Sender nach der Informationshoheit über Muslime auch in Europa.

Ein Dorn im Auge ist den arabischen Nachbarn auch der islamistische Prediger Jussuf al-Karadawi, der kürzlich die katarische Staatsbürgerschaft verliehen bekam. Der gebürtige Ägypter erließ Fatwas, die Selbstmordanschläge im Namen des Islam legitimieren und bezeichnet den Westen als "Zivilisation des Anti-Christen". Dass aber nun Saudi-Arabien, Kuwait und Ägypten die Vettern im Geiste der Terrorunterstützung Katar dies zeihen, ist grotesk - mit Genugtuung erinnert Al Thani die Saudis daran, woher die Terroristen des 11. September stammten.

Was bedeutet das für Europa? Die Katari halten zahlreiche Beteiligungen an europäischen Unternehmen - wie am VW-Konzern und an Hochtief. Die Wahrscheinlichkeit, dass westliche Regierungen die Unrechtsregime am Golf genauso ächten wie Nordkorea, ist in etwa so hoch, wie die Hoffnung, die Fifa könnte auf die WM-Milliarden aus Katar verzichten.

juergen.herda[at]oberpfalzmedien[dot]de

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp