Kommentar zur Flüchtlingspolitik
Die Festung Europa – ein einziges Armutszeugnis

"Shame on you, Europe!" Schande über Europa. Das Banner der Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye - rund 110 Seemeilen vor der libyschen Hauptstadt Tripolis - ist ein Aufschrei, der nicht nur die Politik bis ins Mark treffen soll. Tut er aber nicht. Die Vogel-Strauß-Methode macht Schule in Europa. Kopf in den Sand. Wegsehen. Aussitzen.

Hurra, die Umfragewerte der AfD sinken, jubelt die Parteienfront lauthals. Kein Wunder, das Thema Flüchtlinge steht schließlich nicht mehr ganz oben auf der Agenda. Der Preis dafür ist blutig. Es ist der Verrat an der Humanität.

Um das vermeintlich Schlimmste - einen erneuten Anstieg der Migrantenzahlen - zu verhindern, macht Deutschland Deals mit Regimen, die ein ganz unappetitliches Süppchen kochen. Oder kneift die Augen ganz fest zu. Egal, ob das die Türkei auf ihrem Weg in eine Diktatur ist oder Libyen, wo Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Die Grenzen werden immer dichter. Jetzt schützt auch Bulgarien sein Land mit Militär. Europa als Festung - die Vision eines freien Kontinents ist beerdigt.

Deutschland hat in diesem Jahr bisher knapp 100 000 Flüchtlinge aufgenommen. Wenn alle europäischen Staaten einen Beitrag in nur annähernd dieser Größenordnung leisten würden, wäre man einen entscheidenden Schritt weiter. Stattdessen werden die Waffen an den Grenzen gezückt und Hilfsorganisationen bekriegt. "Shame on you, Europe!"

frank.werner@oberpfalzmedien.de
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