03.04.2018 - 22:04 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar zur Islam-Debatte Horst Seehofer gießt Öl ins Feuer

Die von Bundesinnen- minister Horst Seehofer durch einen Tropfen Öl ins Feuer erneut angefachte Debatte darüber, ob der Islam "zu Deutschland gehört", ist ermüdend. Nicht nur ist die Formulierung so wachsweich und unpräzise, dass es sich eigentlich verbietet, darüber zu diskutieren. Außerdem ist und bleibt es falsch und gefährlich, pauschal allen Angehörigen einer Reli- gion ein Stigma zu verpassen.

von Frank Stüdemann Kontakt Profil

Wenn man aber unbedingt vom "Dazugehören" fabulieren will, dann kommt man um die Erkenntnis schwerlich herum, dass der Islam bereits seit fast 60 Jahren zu Deutschland gehört. Wir haben ihn mit den "Gastarbeitern" aus der Türkei ins Land geholt: Zwischen 1961 und 1973 machten sich rund 867 000 Menschen auf den Weg nach Deutschland, 276 000 blieben samt Familien hier - und mit ihnen ihre Religion, von der kaum jemand Notiz nahm. Bis der 11. September 2001 die terroristische Seite des Islam ins Bewusstsein der Öffentlichkeit einbrannte.

Man darf die Folgen, die der Zuzug von Flüchtlingen aus muslimischen Ländern für die Sicherheit im Land hat, nicht durch eine rosarote Brille sehen. Aber ohne eine ruhige, sachliche Debatte kommt Deutschland im Umgang mit diesem Thema nicht weiter. Verallgemeinerungen und Vereinfachungen wie die von Seehofer sind perfekter Treibstoff für den bayerischen Wahlkampf - aber Gift für die bundesweite öffentliche Diskussion.

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