14.03.2018 - 21:58 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar zur Kanzlerwahl Ruhige Hände müssen nun richtig anpacken

In weißem Blazer ließ sich Angela Merkel zum vierten Mal zur Bundeskanzlerin wählen. Ihr Mann, Joachim Sauer, war diesmal dabei - zum ersten Mal. Und womöglich zum letzten Mal. Nur neun Stimmen über der absoluten Mehrheit bei der Kanzlerwahl. Merkel hat ihren Zenit als Kanzlerin überschritten. Der Start in ihre vierte Amtszeit ein Drama: Gescheiterte Koalitionsverhandlungen mit Grünen und FDP, die SPD ein monatelanger Wackelkandidat für eine mögliche Groko.

von Alexander Rädle Kontakt Profil

Merkel musste deutliche Zugeständnisse machen, um die SPD wieder mit ins Boot zu holen. Deren Basis stimmte zwar zu, aber nur mit vernehmbarem Zähneknirschen. Es darf nicht vergessen werden, dass die Wähler bei den Bundestagswahlen vor einem halben Jahr der letzten Groko eine deutliche Klatsche verpasst haben. Nur mangels Alternativen gibt es nun die Groko 3.0. Die wesentliche Basis, so schien es, war vor allem, die AfD in Schach zu halten. Das alleine wird auf Dauer nicht reichen. Es gibt eine Reihe von Aufgaben: Altersarmut, die Schere zwischen Arm und Reich, Flüchtlings- und Sozialpolitik. In den vergangenen 12 Jahren Merkel ist hier - vorsichtig formuliert - nicht alles optimal gelaufen. Viele finden ihre Politik sogar so verheerend, dass sie sagen: "Merkel ist nicht meine Kanzlerin." Diese Ansicht ist legitim, von der Meinungsfreiheit gedeckt. Niemand muss Merkel-Fan sein.

Allerdings: Gerade die gerne auf Moral und Rechtsstaatlichkeit pochende AfD tut sich nach Merkels Wahl schon mit Förmlichkeiten schwer. Während selbst die Linken und SPD-Verlierer Martin Schulz Merkel gratuliert haben, schafft das die AfD nur mit Verzögerung und offenbar erst nach gutem Zureden von FDP-Mann Wolfgang Kubicki. Der Abgeordnete Petr Bystron fotografiert gar seinen Stimmzettel und verstößt damit gegen den Grundsatz einer geheimen Wahl.

Die nächsten dreieinhalb Jahre werden anstrengend. Für eine Politik der ruhigen Hand ist die Zeit vorbei. Angela Merkel muss anpacken.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp