Kommentar zur Kritik am Polizeieinsatz in Köln
Das Trauma von Köln ist noch lange nicht überwunden

Es wäre ja auch zu schön gewesen: Die Polizei legt einen vorbildlichen Einsatz hin und bekommt dafür Lob von allen Seiten. Nur: Es sollte nicht sein. Das Trauma von Köln wirkt eben nach. So sehr die Domstadt versucht, nach der verhängnisvollen Silvesternacht 2015 ihre Unschuld zurückzugewinnen, so sehr steht sie unter Beobachtung.

Trotzdem: Eine tagelange Debatte über vermeintlichen Rassismus in der Polizei ist jetzt fehl am Platze. Die Lage in Köln war offenbar kritisch genug, um das große Polizeiaufgebot zu rechtfertigen. Und die Hinweise auf hochaggressive Gruppen waren massiv genug, um präventiv gegen sie vorzugehen. Ein Verstoß gegen die Verhältnismäßigkeit? Nein. Alles andere wäre fahrlässig gewesen.

Im Übrigen hat Polizeipräsident Jürgen Mathies zum "Nafri" das Notwendige gesagt: Der Begriff sei hier "sehr unglücklich" verwendet worden. Und auch das Bundesinnenministerium hat klargestellt, dass "Nafri" keine offizielle Sprachregelung sei. Selbst wenn es den "nordafrikanischen Intensivtäter" im internen Polizeijargon gibt, nach deutschem Recht darf niemand nur wegen seines Aussehens festgehalten werden. Es ist gut, auch daran wieder einmal zu erinnern.

Der Kölner Polizei, die den Tweet abgesetzt hat, dürfte all das eine Lehre sein. Und der Grünen-Chefin Simone Peter auch: Keine schnelle Vorverurteilung ohne handfeste Gründe - weder gegen Nordafrikaner, noch gegen die Polizei.

albert.franz@oberpfalzmedien.de
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