Kommentar zur Moderation des Kanzler-Duells
Quartett der Eitelkeiten

Vier gegen zwei: Das sogenannte TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz. Bild: RTL D/dpa

Alle reden über die Kandidaten. Geredet aber haben die Moderatoren am längsten: Von den 97 Minuten, die das Sextett beanspruchte, entfielen je eine halbe Stunde auf Merkel und Schulz. 37 Minuten benötigten Maybrit Illner (ZDF), Peter Kloeppel (RTL), Sandra Maischberger (ARD) und Claus Strunz (Sat1), um ihre weitgehend uninspirierten Fragen aufzutischen.

Was erlauben Strunz? Der Neuling hantierte mit falschen Zahlen und verkürzten Zitaten. Illner erstickte, wie in ihrer Sendung üblich, jeden unkonventionellen Gedanken durch penetrantes Dazwischenfragen im Keim. Kloeppel, ganz Ankermann, unterbrach mit sonorer Stimme, um journalistische Härte unter Beweis zu stellen. Am dialogfähigsten noch die Maischberger, auch wenn ihre Gretchenfrage nach dem Kirchgang nach Enthüllungsjournalismus für Radio Vatikan klang.

Man kann ja alle "Parteien" verstehen: Die armen Kandidaten, die sich mühten, ohne allzu sehr anzuecken, die nun mal nicht sehr kontroversen Positionen der Volksparteien durchzuhecheln. Die Moderatoren, die versuchten, sich stellvertretend für ihre Arbeitgeber als smarte und toughe Vertreter ihrer Zunft zu verkaufen, und sich so auf Kosten der anderen zu profilieren statt sich zu ergänzen.

Das Ergebnis: Ein Kreisen um vermeintliche Reizthemen wie Flüchtlinge, persönliche Fehler und Schwächen - und der Verzicht auf echte Information zur Zukunft der Arbeit, Bildung, Familie, Gesundheit und Rente. Die logische Folgerung: Das Duell ist tot, es lebe die offene Kontroverse, moderiert von Interviewern, die den Kandidaten Wesentliches entlocken.

juergen.herda@oberpfalzmedien.de
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