16.07.2017 - 22:04 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar zur möglichen Wiedereinführung der Todesstrafe in der Türkei Erdogan wird sich um Kritik weiterhin nicht scheren

Pünktlich zum Gedenken des Putschversuchs in der Türkei bekräftigt Präsident Recep Tayyip Erdogan seine Forderung nach der Wiedereinführung der Todesstrafe. Seine Wortwahl legt nahe, dass er es nicht nur ernst meint und ihm nicht nur um Bestrafung geht, sondern ganz deutlich um Rache. "Diesen Verrätern werden wir zuerst die Köpfe abreißen", wird er zitiert.

von Alexander Rädle Kontakt Profil

Ob es westlichen Staaten noch gelingen wird, ihn von diesem Vorhaben abzuhalten, kann getrost bezweifelt werden. Denn erstens spielt die Frage der Humanität für ihn kein Rolle. Auch in der europäischen Geschichte ließen Nationalstaaten bis ins 20. Jahrhundert hinein oft genug die Todesstrafe vollstrecken, um Machtinteressen abzusichern - sprich Gegner und Kritiker aus dem Weg räumen. Die Todesurteile in der Sowjetunion und während des Nationalsozialismus in Deutschland sind dafür traurige Beispiele. Zweitens steht ganz offenbar die große Mehrheit seiner Anhänger hinter einer entsprechenden Entscheidung. Drittens wird selbst in den Vereinigten Staaten, die sonst den Anspruch an sich haben, höhere moralische und ethische Ziele anzustreben, die Todesstrafe vollstreckt. Gut möglich, dass Erdogan dem Westen Doppelmoral vorwerfen wird. Und damit liegt er nicht mal so falsch. Dass ihm die Kritik aus Europa ziemlich egal ist, hat Erdogan ja bereits deutlich gemacht.

alexander.raedle[at]oberpfalzmedien[dot]de

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