15.10.2017 - 22:26 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar zur Niedersachsen-Wahl Hochnotpeinliche Inszenierung der Wahlergebnisse

Wenn man denkt, es geht nicht schlimmer, rauschen schon die nächsten Plattitüden durch den Äther: "Das ist ein großartiger Sieg für die niedersächsische SPD", tönt SPD-Kanzlerverlierer Martin Schulz, nachdem die Sozialdemokraten erstmals seit langem wieder stärkste Kraft wurden. "Stephan, was du in den letzten drei Wochen geleistet hast, ist einzigartig."

„Schalalala, Bernd Althusmann ...“ schallt es dem krachenden Wahlverlierer entgegen.“ Bild: dpa
von Jürgen Herda Kontakt Profil
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Als im Spiegel nach der Wahl zu lesen war, was Martin Schulz während seines aussichtslosen Wahlkampfs wirklich dachte, keimte Hoffnung auf: Beendet hier einer endlich die peinliche Inszenierung des nackten Mannes, der meint, er marschiere in des Kanzlers neuen Kleidern? Einem Journalisten, der ihn begleitete, bekannte Schulz: „Die Leute finden mich peinlich, wenn ich so tue, als wüsste ich nicht, dass die Wahl verloren ist.“

Und jetzt das? Ministerpräsident Stephan Weil hat die Kurve trotz Diesel-Affäre noch einmal gekratzt, weil viele Wähler den Übertritt einer beleidigten Grünen-Kandidatin zur CDU und damit das Platzen der Regierungskoalition als unanständig empfanden. Der Mann, der seine Regierungserklärung von VW gegenlesen ließ, ist sicher nicht die neue Lichtgestalt der Partei.

„Schalalala, Bernd Althusmann ...“

Und bei der CDU – herrscht dort wenigstens Ernüchternung? „Schalalala, Bernd Althusmann ...“ schallt es dem krachenden Wahlverlierer entgegen.“ Das Schmierentheater, das Parteifunktionäre anlässlich solcher Auftritte inszenieren zu müssen meinen, ist nur schwer zu ertragen. „Die CDU ist in Niedersachsen stärk… zweitstärkste Kraft, stärkste Kraft werden wir gerne geworden“, lässt Althusmann tief blicken, wie sehr ihn das Wähler-Votum interessiert. „Auch wir haben einen klaren Gestaltungsauftrag für Niedersachsen.“

Es gibt ein einfaches Konzept, um Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen: Etwas Bodenhaftung, Realitätssinn und ein Gespür dafür, was dem Wähler noch als inszenierte Wirklichkeit zu vermitteln ist. Ein erster Schritt wäre: Verbannt die teuren Werbeagenturen aus euren Zentralen, und versucht selbst über eure Wirkung nachzudenken.

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