Kommentar zur Österreich-Wahl
Ein Hoffnungsschimmer für Europa, mehr nicht

Einfach leiwand! Österreich hat den drohenden Rechtsruck in Europa erst einmal gebremst. Mehr als ein kleiner Hoffnungsschimmer für die EU ist der überraschend deutliche Sieg des Ex-Grünen Alexander Van der Bellen aber nicht. Nationalismus und Populismus sind mit diesem Ergebnis nicht einfach weggewischt.

Van der Bellen hat sicherlich die derzeitige Ruhe in der Flüchtlingskrise geholfen. Die schärfste Patrone von FPÖ-Kontrahent Norbert Hofer zündete damit im erbitterten Wahlkampf nicht mehr richtig. Das Spiel mit der Angst führte nicht zum Erfolg. Auch der Trump-Faktor dürfte viele Österreicher zur Urne geführt haben: die Sorge, die Politik nicht gänzlich den Populisten zu überlassen.

Der neue Präsident ist dem Grünen-Superstar Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, nicht unähnlich. Keine abgehobenen Typen, sondern Pragmatiker ohne Profilneurosen. Van der Bellen hat dabei sein Biedermann-Image zuletzt mit einigen Tricks abgelegt. Auf einmal war er im Trachtenjanker unterwegs, ein Vorzeige-Ösi.

Auch die CSU jubelt über den Sieg Van der Bellens. "Zuverlässigkeit und Stabilität" erhofft sich Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt. Und spekuliert darauf, dass mit dem Signal aus Wien der Siegeszug der AfD einen Dämpfer erleidet. In der Tat hätte ein Erfolg von Hofer den Europa-Feinden noch mehr Auftrieb gegeben. Es bleibt zu hoffen, dass auch Franzosen und Niederländer sich nicht von den rechten Rattenfängern blenden lassen.

Das Thema Rechtspopulismus hat sich noch lange nicht erledigt. Aber es gibt Licht am Ende des Tunnels. Überzeugte Demokraten können Kleinstaaterei und Diffamierung erfolgreich die Stirn bieten.

frank.werner@oberpfalzmedien.de
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