12.02.2018 - 22:08 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar zur Regierungsbildung in Berlin Es geht schon längst um das Erbe von Merkel, Seehofer und Schulz

Die etablierten Parteien mögen noch so oft betonen, Inhalte seien wichtiger als Personalien. In einer aus ihrer Sicht perfekten Welt mag das ja so sein - dort gibt es dann wahrscheinlich auch keine Gesichter auf den Wahlplakaten. Wir leben allerdings in der echten Welt. Und hier macht es eben sehr wohl einen Unterschied, ob der nächste Außenminister Martin Schulz, Sigmar Gabriel oder sonst wie heißt.

von Frank Stüdemann Kontakt Profil

Als der gescheiterte SPD-Kanzlerkandidat die Brocken und seine Kabinettsambitionen hinwarf, hätte er dazusagen sollen, wer an seiner Stelle den Job machen wird. Aber auch die anderen Personalien der möglichen Regierung Merkel IV gehören längst auf den Tisch. Denn die SPD-Mitglieder müssen vor ihrem Votum eigentlich erfahren, wer die beschlossene Kompromisspolitik in den kommenden vier Jahren umsetzen soll - auch vom Personal hängt schließlich ab, ob die Sozialdemokraten die nächste Groko überstehen. Kommt Scholz, bleibt Barley? Diese Fragen sind offen, und so stimmen die Genossinnen und Genossen nur über die halbe Wahrheit ab.

Bei CDU und CSU sieht die Sache nicht besser aus: Auch hier erfährt das Fußvolk nicht, mit welcher Mannschaft die Parteien auflaufen wollen. Bleibt Gröhe, kommt Scheuer? Wissen wir nicht. Nur, dass der bayerische Noch-Ministerpräsident nach Berlin wechselt und die Kanzlerin über die volle Amtszeit ihren Job behalten will. Das aber sind die falschen Signale. Denn es geht schon längst nicht mehr um Merkel, Schulz und Seehofer. Es geht um ihre politischen Erben.

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