18.07.2017 - 19:36 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar zur Türkei Die Türkei nach Erdogans Zuschnitt ist für den Westen verloren

Recep Tayyip Erdogans Politik erinnert an das aggressive Verhalten eines Halbstarken auf dem Schulhof. Wieder und wieder setzt er seinen Schulkameraden zu, ärgert sie, bedroht sie bisweilen. Das Elend ist nur: Der 63-Jährige ist kein unreifer Heranwachsender mehr, sondern türkischer Staatspräsident. Wenngleich er nach deutschen Maßstäben bereits das Vorruhestandsalter erreicht hätte.

von Alexander Pausch Kontakt Profil
Kommentar

Auf dem Schulhof gibt es Lehrer, die Rabauken zur Ordnung rufen. In der internationalen Politik gilt am Ende das Recht des Stärkeren, wenn es zuvor keine Verständigung gibt. Und: Eine gemeinsame Basis zur Verständigung zwischen Deutschland, Europäischer Union sowie letztlich auch der Nato auf der einen Seite und der türkischen Regierung unter Erdogan gibt es nicht mehr. Dafür sorgt der türkische Präsident und seine islamistisch-konservative Partei.

Ein gemeinsame Wertebasis? Mitnichten. Freiheit und Menschenwürde? Nicht in der Türkei. Der Hoffnungträger Erdogan, von dem sich viele erhofft hatten, er werde die Türkei zum Modell für die Vereinbarkeit von freiheitlicher Demokratie und Islam machen, entpuppt sich nicht nur als Autokrat, sondern als Muslimbruder. Als solcher hatte er seine politische Laufbahn auch begonnen.

Das Land am Bosporus erfüllt längst nicht mehr die Brückenfunktion zwischen Europa und dem Nahen Osten, die ihm viele zugeschrieben haben. Es ist auch kein Vorbild mehr, sondern Teil der Probleme im Nahen Osten. Das Land fügt sich nahtlos in die autokratischen und islamistischen Regime der Region. Eine Türkei nach Recep Tayyip Erdogans Zuschnitt ist für den Westen verloren. Die Europäische Union sollte die Konsequenzen ziehen und die Beitrittsgespräche beenden.

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