13.02.2018 - 21:58 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar zur Vereinsamung der Deutschen Alleinstehend, nicht alleingelassen

Die verwitwete Seniorin mit kleiner Rente, der junge Berufsanfänger, der sich von einem schlecht bezahlten Vertrag zum nächsten hangelt, oder die alleinerziehende Mutter, die sich ohne Partner durchschlagen muss - sie haben eines gemeinsam: Sie leben alle auf sehr dünnem Eis.

von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil

An einen niedrigeren Lebensstandard mögen sie sich zwar gewöhnt haben. Doch eine kaputte Waschmaschine, die Gründung einer Familie oder die Klassenreise der Tochter stellen finanzielle Belastungen dar, die sie alleine bewältigen müssen, aber nicht immer können. Ein Teufelskreis, in dem sich soziale Not und Vereinsamung gegenseitig verstärken.

Die Zahlen des europäischen Statistikamtes alarmieren. Von 16,43 Millionen Alleinstehenden in Deutschland ist jeder Dritte von Armut bedroht. Mehr als zwei von fünf Haushalten sind Singlehaushalte. Für die Unterstützung von Familien wird zu Recht viel getan. Aber nur wenige Politiker haben sich bisher dabei hervorgetan, konkret etwas für Alleinstehende einzufordern. Das sollte sich nun ändern. Denn Ansatzpunkte, die finanzielle Situation jener "Abgehängten" merklich zu verbessern, sind ebenso bekannt, wie andernfalls die mögliche Quittung am Wahltag.

Die Statistiken aber offenbaren eine weit größere Aufgabe - die wachsende Vereinsamung der Deutschen. Der britische Weg mit einem Ministerium für Einsamkeit ist Pionierarbeit - und der richtige, um gegen die Isolation besonders im Alter anzugehen. Von einfacher Zuwendung bis hin zum Punkt, wenn der Mensch nicht mehr in der Lage ist, seine Interessen selbst zu vertreten. Hier muss in einer sich verändernden Gesellschaft ein generelles Umdenken aller passieren. Damit alleinstehend nicht alleingelassen bedeutet.

tobias.schwarzmeier[at]oberpfalzmedien[dot]de

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