22.08.2017 - 20:04 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar zur Videoüberwachung in Bayern Kameras allein machen keine Land sicherer

Mehr Videoüberwachung, mehr Sicherheit - und weniger Kriminalität? Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann meint: ja. Die Bayerische Kriminalstatistik 2016 spricht da eine andere Sprache: Rauschgiftkriminalität, Tötungsdelikte, Gewaltkriminalität und Körperverletzung haben trotz einer wachsenden Zahl von Kameras zugenommen. Mag ja sein, dass sich Taschendiebe von den elektronischen Augen hoch über ihren Köpfen abschrecken lassen. Gewalttäter oder gar Terroristen interessiert es jedoch herzlich wenig, ob sie bei ihren Taten gefilmt werden - letztere haben ohnehin meist nicht vor, ihre Attacken zu überleben.

von Frank Stüdemann Kontakt Profil
Kommentar

Das soll nicht heißen, dass mehr Kameras im Freistaat nicht sinnvoll wären. Bei der Aufklärung von Straftaten und bei der Identifizierung und Verfolgung von Tätern können sie den Behörden wertvolle Dienste leisten. Aber eben erst dann, wenn alles zu spät ist. Es mag den überlebenden Opfern von Gewalt oder Terror eine Genugtuung sein, wenn die Verursacher ihres Leids dank Kamerabildern dingfest gemacht werden können. Es wäre ihnen aber sicher lieber, wenn sie erst gar nicht zu Opfern hätten werden müssen.

Fazit: Ein Ausbau der Videoüberwachung taugt nur wenig zur Prävention. Stattdessen muss nicht nur Bayern deutlich mehr in Menschen statt in Technik investieren. Die alte Forderung nach mehr Polizeikräften klingt mittlerweile vielleicht ausgeleiert, ist aber wichtiger denn je. Kameras mögen das subjektive Sicherheitsempfinden steigern, aber nur optimal vernetzte und personell perfekt ausgestattete Behörden bringen tatsächlich mehr Sicherheit für uns alle.

frank.stuedemann[at]oberpfalzmedien[dot]de

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