22.04.2018 - 23:06 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar zur Wahl der neuen SPD-Parteivorsitzenden Andrea Nahles braucht Zeit zur Erneuerung - und Mitstreiter

Es gab Zeiten, da ließ sich das Amt des Parteivorsitzenden mit dem des Papstes vergleichen - zumindest, was die Dauer betraf: Rote Eminenzen wie der im KZ geschwächte Kurt Schumacher, NS-Flüchtling Erich Ollenhauer und Friedensengel Willy Brandt brachten es zusammen auf über vier Jahrzehnte an der Spitze der SPD. Nicht erst mit dem Mann der kurzen Sätze - "schönstes Amt nach Papst" - nahm die Haltbarkeit der Bosse der Genossen dramatisch ab: Franz Müntefering brachte es noch auf ein gutes Jahr.

Ein wenig zerknirscht, ein wenig trotzig: Andrea Nahles (Mitte), Olaf Scholz (links) und Lars Klingbeil (rechts) als das Wahlergebnis beim Außerordentlichen Bundesparteitag verkündet wird. Bild: Bernd von Jutrczenka/dpa
von Jürgen Herda Kontakt Profil
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13 Monate dauerte die Achterbahnfahrt von Martin Schulz, den Andrea Nahles mit ihrer Dankesrede zu Tränen rührte. Die erste Parteichefin muss Dank Gegenkandidatin nicht die Bürde einer 100-Prozent-Gefolgschaft tragen. Dazu ist die katholische Pfälzerin auch nicht glatt genug. Mit Pippi-Gesängen und Bätschi-Rufen geht sie manchem Parteifreund mächtig auf die Nerven. Dafür verschaffte sie sich als zupackende Arbeitsministerin bei der politischen Konkurrenz und als kämpferische Rednerin bei Schulz-Enttäuschten Respekt.

Arbeit gibt es für die 47-Jährige für einige Jahre: Erneuerung, das könnte bedeuten, Parteimitglieder, die in ihren Gemeinden als engagierte Mieter- oder Verbraucherschützer sichtbar werden. Aber eines ist so klar wie die nächste SPD-Krise: Eine Frau allein kann den Laden nicht schmeißen - dazu gehören knapp 460 000 Mitglieder, die mit anpacken müssen. Die Rechnung ist einfach: Wer mitmacht, bestimmt die Richtung.

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