Kommentar zur Wahl in Russland
Wer Putin loswerden will, muss an den Verhandlungstisch

Satte 76,6 Prozent der Wähler haben Wladimir Putin für weitere sechs Jahre im Amt bestätigt. Wer's glaubt, wird selig. Eine demokratische Wahl nach westlichen Standards sieht anders aus. Allerdings: Es ist fast unmöglich, sich ein repräsentatives Bild von der wirklichen Stimmung in der Bevölkerung des riesigen Landes zu machen. Und so lässt sich schwer sagen, ob nicht tatsächlich die überwältigende Mehrheit der Russen, Tataren, Ukrainer, Baschkiren, Tschetschenen oder Tschuwaschen den starken Mann im Kreml lieber behalten will.

Nachvollziehbar wäre das, denn das System Putin sorgt mit totalitärer Präzision dafür, dass neben dem 65-Jährigen keine Alternativen heranwachsen können, die an der Wahlurne auch nur den Hauch eine Chance hätten. Außerdem setzt das Wahlvolk gerade dann auf Kontinuität und scheut den Wechsel, wenn die Heimat politisch unter Beschuss ist - und Moskau kassiert derzeit Dauerfeuer aus allen Richtungen.

Die Beweise dafür, dass Russland tatsächlich hinter dem Giftanschlag auf den früheren Doppelagenten Sergej Skripal steckt, ist Großbritannien bisher schuldig geblieben. Weil aber alles so perfekt ins Bild passt, solidarisieren sich gerade große Teile des Westens einmal mehr gegen die "finstere Macht im Osten" und treiben Putin damit erst recht die Wähler zu.

Es hilft nichts: Wer Wladimir Putin loswerden will, muss ihm offen und auf Augenhöhe am Verhandlungstisch begegnen. Denn nur, wenn die Russen nicht mehr den Eindruck gewinnen, dass sie ausgegrenzt am Pranger stehen, werden sie den Mut fassen, ihren Dauerregenten davonzujagen.
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