Kommentar zur Wahlkampagne der FDP
Liberale setzen alles auf die Lindner-Karte

Als die altehrwürdige Partei von Theodor Heuss, Otto Graf Lambsdorff und Hans-Dietrich Genscher bei der Wahl 2013 an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte und aus dem Bundestag flog, schien sie ein für alle Mal abgeschrieben. Die FDP, der ewige Juniorpartner der Union, schien mangels Relevanz im politischen Nirwana zu verschwinden. Lediglich Bundesvize Wolfgang Kubicki wurde wegen seines losen Mundwerks immer wieder gern zu Maischberger, Will, Lanz und Co. eingeladen. Ansonsten: Sendepause.

Jetzt aber, dank erfolgreicher Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen, drängen die Liberalen zurück ins Wahlkampf-Rampenlicht. Das programmatische Rezept, mit dem das Comeback gelingen soll, besteht aus drei Hauptzutaten: Christian Lindner, Christian Lindner und eine Prise Christian Lindner. Wie einen Popstar inszeniert die Partei ihren 38-jährigen Vorsitzenden für die millionenschweren Werbekampagne - die Motive sind mehr "Vogue"-Cover als Wahlplakat. Dazu Slogans wie "Ungeduld ist auch eine Tugend", die vielleicht der eigenen Basis ein Gefühl von Aufbruch vermitteln können, aber sonst niemandem. Das alles erinnert ein bisschen an die poppige und letztlich erfolglose 18-Prozent-Kampagne von Guido Westerwelle aus dem Wahljahr 2002.

Die Zeit ist knapp, und es steht viel auf dem Spiel. Denn sollte am 24. September der Wiedereinzug in den Berliner Reichstag scheitern, wäre die Zukunft der Partei auf Bundesebene bestenfalls ungewiss. Es ist hochriskant, in dieser Situation alles auf die Lindner-Karte zu setzen. Es bleibt den Liberalen im Moment aber auch gar nichts anderes übrig.

frank.stuedemann@oberpfalzmedien.de
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