11.02.2018 - 22:22 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar zur Wut in der CDU und dem Streit in der SPD Egozentriker beschleunigen den Niedergang der Volksparteien

Erst die Sachfragen, dann die Personalien: So etwas erzählt man dem Publikum. Und auch die Showkämpfe vor den Koalitionsverhandlungen: großes Staatstheater. Natürlich wusste die Union, dass man der skeptischen SPD-Basis weit entgegenkommen muss, will man die Neuauflage der Groko doch noch eintüten - sowohl inhaltlich als auch personell.

Ego-Shooter Sigmar Gabriel (SPD) während einer Pressekonferenz. Bild: Michael Kappeler/dpa
von Jürgen Herda Kontakt Profil
Kommentar

Das Finanzministerium soll Merkel SPD-Chef Schulz bereits in den Sondierungsgesprächen zugesagt haben - auch das Außenministerium ohne Gabriel. Das sollen die Machtzirkel nicht gewusst haben? Martin Schulz hat ungeschickt agiert. Wenn aber der gesamte Vorstand diese Wende mitvollzieht, warum soll dann nur der Mann verzichten, der wenigstens für ein neues Europa-Konzept steht?

Und was wollen die üblichen Verdächtigen in der Union mit ihren Querschüssen erreichen? Mehr Demokratie im Kanzlerwahlverein? Dafür sollten der ewig beleidigte Friedrich Merz und die jungen Wilden auf die Barrikaden gehen? In Wirklichkeit geht es auch da nicht um Inhalte, sondern um gekränkte Eitelkeit beim Steuer-Bierdeckel-Erfinder und um Karrierechancen der Jung-Unionisten.

Ehrgeiz ist keine Schande - alles eine Frage des rechten Maßes. Auch die Helden der Parteigeschichte waren keine idealistischen Altruisten: Adenauer und Kohl auf der einen, Schmidt und Brandt auf der anderen Seite. Parteieliten bekämpfen sich seit jeher. Aber man nahm ihnen ihre Überzeugung ab, wegen der sie sich anfeindeten. Das fehlt dem neuen Typus des egozentrischen Karrieristen. Das Ergebnis: Selbstzerfleischung und der Niedergang der Volksparteien.

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