Konferenz in Kabul
Afghanische Regierung bietet Taliban Frieden an

Delegierte sprechen bei der Friedenskonferenz im Präsidenten-Palast in Kabul darüber, wie man die radikalislamischen Taliban an den Verhandlungstisch bringen kann Bild: Rahmat Gul/AP/dpa

Eine Friedenskonferenz in Kabul bringt überraschend viele Angebote an die Taliban - wohl auch auf internationalen Druck hin. Eine neue Chance für den Frieden? Die Taliban lehnen erstmal höflich ab.

Kabul. Bei einer internationalen Friedenskonferenz in der afghanischen Hauptstadt Kabul hat Präsident Aschraf Ghani den radikalislamischen Taliban eine Waffenruhe und andere weitreichende Zugeständnisse angeboten. Falls sich die Taliban, die zu der Konferenz nicht eingeladen worden waren, auf einen Friedensprozess einließen, sollten sie auch als politische Gruppe anerkannt werden, sagte Ghani am Mittwoch. Außerdem könne auf Wunsch auch die Verfassung überarbeitet werden. Ghani bot den Taliban vor Delegierten aus 26 Ländern zudem afghanische Pässe an, ein Büro in Kabul, die Entlassung von Gefangenen und die Streichung von Sanktionen.

Der Präsident bestand aber darauf, dass Wahlen abgehalten werden. Auch forderte er die Taliban außerdem auf, die Regierung in Kabul anzuerkennen. Quellen aus dem Kreis der Organisatoren sagten der Deutschen Presse-Agentur, dass das Signal für einen "Frieden ohne Vorbehalte" wohl auch auf Druck der internationalen Gemeinschaft zustande gekommen sei. Viele dieser Angebote sind nicht neu. Aber das Ausmaß der Zugeständnisse en bloc war eine Überraschung - vor allem angesichts der besonders grausamen Serie von Anschlägen der Taliban. So hatten im Januar die Taliban ein als Ambulanz getarntes Fahrzeug mit Sprengstoff gefüllt und es ins Zentrum von Kabul geschickt. Bei der Detonation starben 105 Menschen. Bei einem Talibanüberfall auf ein Hotel kam auch eine deutsche Entwicklungshelferin ums Leben. Am Dienstag hatten die Taliban einen Polizeiposten an der Grenze zwischen den Provinzen Kandahar und Urusgan angegriffen und mindestens fünf Polizisten getötet.

In seiner Auftaktrede sagte Ghani: "Anführer der Taliban und alle Mitglieder - die Entscheidung ist in Euren Händen. Akzeptiert den Frieden. Kommt an den Verhandlungstisch und lasst uns dieses Land gemeinsam aufbauen." Die Taliban lehnten das Angebot am Abend allerdings ab. In der auf einer ihrer Webseiten veröffentlichten Stellungnahme hieß es, es gebe ja keinen Zweifel, dass Ghani eine friedens-orientierte Rede voller neuer Angebote gehalten habe. Sie habe aber einen wichtigen Punkt vermissen lassen: Die Taliban hätten immer gesagt, dass es Friedensgespräche nicht geben könne, solange ausländische Truppen im Land seien. Dazu habe Ghani kein Wort gesagt.

Da hätten die Taliban aber wohl noch nicht in die Abschlusserklärung der Konferenz geschaut, sagt Thomas Ruttig vom Rechercheinstitut Afghanistan Analysts Network (AAN) am Mittwochabend. In der Erklärung der 26 Staaten steht erstmals, dass es Verhandlungen auch zu "kontroversen Aspekten der internationalen Präsenz in Afghanistan" geben könne. Gemeint sei der Abzug der westlichen Truppen, sagte Ruttig.
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