Konflikt mit Nordkorea
Rakete über Japan, internationale Empörung

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un inspiziert seine Soldaten. Mit einem neuerlichen Raketentest spitzt er die Krise zu. Bild: KRT/AP Video/dpa

Der Konflikt mit Pjöngjang spitzt sich erneut zu. Die weitgehend isolierte Führung in Pjöngjang hat eine Rakete abgefeuert, die Japan überflogen hat - die internationale Politik reagiert scharf.

Seoul/Tokio. Trotz harter Sanktionen feuerte das Militär des Landes unangekündigt eine Rakete von großer Reichweite über den Norden Japans hinweg in Richtung Pazifik. Die Rakete, vermutlich eine Mittelstreckenrakete, sei am Dienstag in einem Gebiet nahe Pjöngjang gestartet, teilte der Generalstab der südkoreanischen Armee mit. Sie sei etwa 2700 Kilometer weit geflogen. Es war zwar nicht das erste Mal, dass eine nordkoreanische Rakete über Japan hinwegflog. Es sei aber das erste Mal, dass das unangekündigt geschehen sei, meldete der Sender NHK. Ein Regierungssprecher in Tokio sprach von einer "beispiellos ernsten und schweren Bedrohung".

Nach dem Raketentest hatte der UN-Sicherheitsrat für Dienstagnachmittag (Ortszeit) eine Sondersitzung einberufen. Das bestätigten die Vereinten Nationen in New York. UN-Generalsekretär Antonio Guterres verurteilte den Raketentest. "Der Abschuss bedroht Sicherheit und Stabilität in der Region und verkleinert Handlungsspielraum für Gespräche", erklärte er am Dienstag in New York. Er forderte Nordkorea auf, seinen Verpflichtungen nachzukommen und auf die Wiederaufnahme von Gesprächen hinzuarbeiten. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) zeigte sich bestürzt darüber, "in welch brachialer Weise" Nordkorea geltendes Völkerrecht verletze. US-Präsident Donald Trump verurteilte den Test und betonte: "Alle Optionen sind auf dem Tisch." Chinas Außenministeriums warnte, in dem Konflikt auf der koreanischen Halbinsel sei ein "kritischer Punkt" erreicht.

Während Japan und seine Schutzmacht USA den Druck auf Pjöngjang nun weiter erhöhen wollen, zeigte Südkorea militärische Stärke. Präsident Moon Jae-in wies die Streitkräfte an, ihre Kampfkraft zu demonstrieren: Vier Kampfjets ließen daraufhin nach Angaben eines Sprechers auf einen Schießplatz in der Nähe der innerkoreanischen Grenze Bomben fallen. Bei der Übung sei die nordkoreanische Führung ein simuliertes Ziel gewesen, berichtete die Nachrichtenagentur Yonhap. Washington und Seoul würden darüber nachdenken, "strategische" Verteidigungswaffen nach Südkorea zu verlegen. (Kommentar und Seite 5)
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