Kopfschuss: Schuldspruch spaltet Israel

Der israelische Soldat Elor Asaria auf der Anklagebank. Bild: dpa

Tel Aviv. In einem der emotionalsten Prozesse der israelischen Geschichte hat ein Militärgericht einen Soldaten wegen Totschlags verurteilt. Elor Asaria hatte einen verletzt am Boden liegenden palästinensischen Attentäter mit einem Kopfschuss getötet. Asaria habe aus Rache für einen verletzten Kameraden gehandelt, sagte die Vorsitzende Richterin Maja Heller am Mittwoch in Tel Aviv. Die Palästinenser bezeichneten das Verfahren als "Farce" und forderten eine internationale Untersuchung von "Feldexekutionen".

Die Verkündung des Strafmaßes wird innerhalb eines Monats erwartet. Asaria drohen bis zu 20 Jahre Haft. Mehrere Regierungsmitglieder wollen sich für eine Begnadigung Asarias einsetzen, darunter der ultrarechte Erziehungsminister Naftali Bennett. Der Todesschuss in Hebron war von einem palästinensischen Mitarbeiter der Menschenrechtsorganisation Betselem gefilmt worden.

Vor dem Militärhauptquartier protestierten am Mittwoch mehrere Hundert Menschen laut Polizei teilweise aggressiv für eine Freilassung Asarias. Demonstranten blockierten kurzzeitig die Straße. Die Polizei nahm vier Personen fest.

Verteidigungsminister Avigdor Lieberman sprach von einem "harten Urteil". Er rief aber dazu auf, die Entscheidung des Militärgerichts zu respektieren. Der Sanitätssoldat Asaria hatte im März des vergangenen Jahres in Hebron einem am Boden liegenden Attentäter in den Kopf geschossen. Asaria sagte im Prozess aus, er habe befürchtet, dass der Palästinenser noch einen Sprengstoffgürtel unter seinem Mantel trage.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International begrüßte die Gerichtsentscheidung und sprach von einem "kleinen Schimmer der Hoffnung inmitten der weit verbreiteten Straflosigkeit für unrechtmäßige Tötungen in den besetzten Palästinensergebieten".
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